DARK TRIBE

Geboren an den Ufern des Wahnsinns (2002)


Mit erstaunlichen 70 Minuten wartet das erste Full-Length-Album dieser deutschen Band auf, die ihren Stil selbst als düster-aggressiven Black Metal beschreibt. Doch diese Bezeichnung reicht bei weitem nicht aus, um das zu umschreiben, was uns auf diesem Silberling geboten wird. Da kommt der Titel des Albums der Wahrheit schon ein ganzes Stück näher. Wahnsinn und Hass in seiner reinsten Form schlagen einem entgegen, untermalt von einer extrem düsteren und fast schon depressiven Grundstimmung. Das Erstaunliche an diesem Album ist, dass es sich einem in seiner - ja ich bin versucht zu sagen - Genialität und in seiner sehr eigenen Atmosphäre wohl erst nach einer gewissen Weile erschließen kann, in der man sich fast schon zwingen muss weiterzuhören. Nein, definitiv keine leichte Kost, die einem da vorgesetzt wird. War ich beim ersten Anhören doch sehr versucht, das Teil schnellstmöglich wieder aus dem Player zu nehmen, allzu räudig der Sound, allzu verzerrt die Gitarren und über allem diese fast schon überschnappende, vor Hass nur so strotzende und eher unbequem kreischende Stimme des Sängers, umso hypnotischer wirkt die Musik nach einiger Zeit. Diese extrem verzerrten Gitarrenlinien, die zum Teil eher schon als Surren bezeichnet werden können, bringen Melodien mit einer derart dichten, düster-depressiven und dennoch absolut hasserfüllten Atmosphäre hervor, aus deren Bann man sich nur schwer wieder lösen kann. Zwar unterscheiden sich die einzelnen Songs, insbesondere in der ersten Hälfte des Albums nur wenig voneinander, was zu Anfang vielleicht als negativer Kritikpunkt angeführt werden könnte, aber wir reden hier ja auch von Wahnsinn und unaufhaltsamem Hass. Beides wird durch eben diese Gleichartigkeit der Songs nur noch mehr unterstrichen, man ist nach einer Weile nur noch erfüllt von der Eindringlichkeit dieser Musik. Und durch den leise im Hintergrund immer wieder einfließenden cleanen Singsang eines Männerchores verstärkt sich diese hypnotisierende Wirkung noch um ein Vielfaches. Dark Tribe haben den Hass für sich regelrecht neu definiert und zwar in einer Form, die an Unverfälschtheit und Eigenheit kaum zu vergleichen ist. Krank..... genial krank! 
Fazit: Definitiv kein Album, das man nebenbei hören sollte. Wer sich nicht wirklich intensiv der Musik widmet, wird wohl nur schwer Zugang finden. Für BM-Puristen, die Wert auf dichte Atmosphäre legen, ein Muss, alle anderen sollten die Finger davon lassen.

9/10

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Laeknishendr
04.06.2002