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Als Obtest Ende Oktober zusammen mit Skyforger Helsinki unsicher machten, hat mich die energetische,
mitreissende Darbietung der Litauer davon überzeugt, das aktuelle Album käuflich zu erwerben. Bereut habe ich
diesen Einkauf bis jetzt nicht, denn auch auf Konserve versprühen Obtest jede Menge Energie.
"Auka Seniems Dievams" bietet eine Art von Metal, die ich am liebsten als
baltischen Pagan Metal bezeichnen möchte. Das mag zwar noch kein eingetragenes Warenzeichen sein, aber auch die Heiden von Skyforger aus dem
benachbarten Lettland spielen einen ähnlichen Stil: Black Metal mit heftiger Heavy-Metal-Schlagseite und einem
Gesang, der nur selten als schwarzmetallisches Kreischen daherkommt, dafür umso öfter mit Chören eine epische
Stimmung zu erzeugen sucht. Und diese Mischung hört sich gar nicht mal so schlecht an. Zugegeben, für beinharte
Schwarzmetaller ist das nichts, dazu sind die Kompositionen zu lebhaft und -in gewisser Weise- zu beschwingt.
Das ist Musik, die live am besten zur Wirkung kommt, gehen die Rhythmen doch ohne Umweg direkt in die Knochen
und animieren zu ausgiebigem Kopfschütteln. Auch die Luftgitarre darf gelegentlich in Anschlag gebracht werden
und wenn die Chöre ertönen, sollte man mindestens eine Faust in die Höhe recken. Dass das Ganze nicht langweilig
wird, dafür sorgen eine ganze Wagenladung mitreissender Melodien und der leidenschaftliche Sänger, der vom
Barden bis zum Schreihals die ganze Palette präsentiert, mir persönlich aber am besten gefällt, wenn er nicht
singt, sondern brüll-gröhlt.
Bis hierher hätte das Album sicher eine ganze Menge Punkte verdient, doch leider muss ich auch etwas Kritik
anbringen. Zum einen nehmen für meinen Geschmack die Heavy-Metal-Anteile gelegentlich etwas überhand, dann wird
die Angelegenheit in meinen Ohren etwas zu melodisch und verliert deutlich an Reiz und Energie. Zum anderen ist
die Produktion einfach etwas zu flach ausgefallen. Nicht matschig oder zu poliert, einfach zu kraftlos, der Stil
von Obtest verlangt hingegen nach einem Sound mit ausreichend Durchschlagskraft. Doch glücklicherweise lässt
sich das mit einem beherzten Dreh am Lautstärkeregler halbwegs ausbügeln, so dass am Ende nur der Nachbar dem
uneingeschränkten Hörvergnügen im Wege stehen könnte.
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