ORDO DRACONIS

In Speculis Noctis (MCD 1999)


1999 hatte ich eine Eigenproduktion in meinem armen CD-Player, der tagelang nichts anderes zu tun hatte, als 28 Minuten des besten symphonischen Black Metals auf- und abzurotieren. Wenn ich dieses Werk als Unwissender in die Hände bekommen hätte, ich hätte nach dem Labeletikett gesucht, ganz ehrlich. Oder nein, eigentlich nicht... so schön bekommt kein Label eine MCD hin, viel zu großer Aufwand. 
Das Booklet ist natürlich farbig, gedruckt auf mattglänzendem Papier und in dezenten, düsteren Farben gestaltet. Wie mir scheint, war der damalige Drummer Arco nicht nur ein hervorragender Schlagzeuger, sondern zudem noch ein genialer Layouter! Noch interessanter aber sind die vier Stücke. "Opus Draconum" ist das, was sich so landläufig "Intro" schimpft - bei den Holländern schrammt der erste Track aber haarscharf an einer Horrorsinfonie vorbei, eine lateinische Drachenbeschwörung, bei der's mir kalt den Rücken runterläuft. "From The Foundations Of Chaos" ist ein extrem schnelles Stück, was einem jedoch gar nicht auffällt, weil die Geschwindigkeit ihrerseits nochmal von den donnernden Keyboards überrollt wird. Dabei wird es dann auch offensichtlich: Ordo Draconis haben etwas von Emperor, Limbonic Art und Arcturus, aber sie sind viiiiel gefühlvoller, wärmer - dabei allerdings trotzdem gnadenlos, von Weichlichkeiten nicht die Spur! "The Conjuration Complete" beginnt mit einem fanatischen Break von einer anderen Welt, einer abermaligen Steigerung, die im vierten Track "Deirdre Of The Sorrows" ihren vorläufigen Höhepunkt findet: Walzer! Ein schwarz- romantischer Walzer mit einem unglaublichen Text und noch unglaublicheren Melodien. 
Eher werde ich eventuell doch noch in Erwägung ziehen, den genmanipulierten Zierrasen zu erfinden, als dieser Musik, dieser Macht jemals gerecht zu werden. Mit das Beste, was ihr 1999 an Eigenproduktion kaufen konntet!

9/10

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alboin