PERISHED

Through The Black Mist (Demo 1994)


DAS waren noch Zeiten. 1995. Enslaved auf Tour mit "Frost". Im Sommer Führerschein gemacht, dann von den alten Herrschaften doch wirklich gleich den Wagen bekommen, um nach Brohm zum ersten Folter-Records-Open-Air zu fahren. Was waren wir jung... O.k., genug Schwachsinn zum Besten gegeben. Fragen wir lieber: Was ist übrig geblieben von jenen "glorreichen" Tagen, was außer rosaroten Erinnerungen? Naja, zum Beispiel ein halb verrottetes In-The-Woods-T-Shirt. Doch nun wirklich genug des Geschwafels. Über diesem Text steht als Überschrift "Perished", also will ich ein bisschen über Perished erzählen. Perished kommen (kamen?) aus Norwegen und spielen -Überrraschung!- Black Metal. Und sie haben eben "damals" ein Demo veröffentlicht, welches mich verdammt beeindruckt hat und welches ich seitdem immer mal wieder anhöre. Natürlich ist mir bewusst, dass nostalgische Gefühle meine Beurteilung dieses Werkes beeinflussen könnten, ich werde mich trotzdem um etwas Objektivität bemühen. Oder... ich hab's mir überlegt: vergesst "Objektivität", warum sollte ich meiner Begeisterung Zügel anlegen? "Objektive" Kritiken sind Lügen, geboren aus Langeweile. 
Perished haben mit "Through The Black Mist" ein Demo vorgelegt, welches für mich persönlich das beste im norwegischen BM darstellt. -Sagte da gerade jemand, das wäre übertrieben? Nun, mein Freund, ich komme nicht umhin festzustellen, dass du das Teil nicht kennst.- 
Weiter im Text: Mit der späteren EP und dem Album "Karg" waren Perished -ich bin versucht zu sagen: natürlich- nicht mehr in der Lage, diese selbst gesetzte Marke zu erreichen, geschweige denn zu übertreffen. Von der Papierform her ist die Musik der Norweger recht unspektakulär: BM mit Keyboardunterstützung, mittelschnell bis recht flott, ohne jedoch in Prügelorgien auszuarten. Das alles hat sicher jeder schon in dutzendfacher Ausführung gehört. Perished unterscheiden sich von all den Bands, die im Grunde die gleiche Rezeptur verwenden, aber in einem -entscheidenden- Punkt: Sie schreiben Songs, die unter die Haut gehen, die begeistern, die mich auch nach Jahren noch zu Jubelstürmen hinreißen. In einem für damalige Demoverhältnisse erstaunlich guten Sound wird ursprünglicher, norwegischer BM zelebriert, wie er besser kaum sein könnte. Voller Inbrunst und Überzeugungskraft werden Hymnen wie "The Perfect Face Of Death" oder härtere Attacken wie "A Landscape Of Flames" so beseelend dargeboten, dass man sofort zum Schwert greifen möchte, um in den Kampf zu ziehen. Und bei aller Gewalt wirkt die Musik irgendwie schwebend, losgelöst von irdischen Fesseln, wie ein Adler, der über Norwegens Fjorde und Berge gleitet. Und dieses Bild bringt mich doch tatsächlich auf einen mehr oder weniger passenden Vergleich: "Bergtatt". Ja, in der Tat ist Ulvers Debüt wohl der beste Anhaltspunkt, um die Atmosphäre auf "Through The Black Mist" in etwa zu beschreiben. Das jedoch nur als grober Hinweis, musikalisch gehen Perished deutlich rauer und bodenständiger zu Werke. Doch, und das bringt uns wieder ein Stück näher zu Ulver, das Ergebnis ist ähnlich genial.

10/10  

 

 

Erik
30.04.2002