|
DAS waren noch Zeiten. 1995. Enslaved auf Tour mit "Frost". Im Sommer
Führerschein gemacht, dann von den alten Herrschaften doch wirklich gleich den Wagen bekommen, um nach Brohm zum ersten Folter-Records-Open-Air
zu fahren. Was waren wir jung... O.k., genug Schwachsinn zum Besten gegeben. Fragen wir lieber: Was ist übrig
geblieben von jenen "glorreichen" Tagen, was außer rosaroten Erinnerungen? Naja, zum Beispiel ein halb
verrottetes In-The-Woods-T-Shirt. Doch nun wirklich genug des Geschwafels. Über diesem Text steht als
Überschrift "Perished", also will ich ein bisschen über Perished erzählen. Perished kommen (kamen?) aus Norwegen
und spielen -Überrraschung!- Black Metal. Und sie haben eben "damals" ein Demo veröffentlicht, welches mich
verdammt beeindruckt hat und welches ich seitdem immer mal wieder anhöre. Natürlich ist mir bewusst, dass
nostalgische Gefühle meine Beurteilung dieses Werkes beeinflussen könnten, ich werde mich trotzdem um etwas
Objektivität bemühen. Oder... ich hab's mir überlegt: vergesst "Objektivität", warum sollte ich meiner
Begeisterung Zügel anlegen? "Objektive" Kritiken sind Lügen, geboren aus Langeweile.
Perished haben mit "Through The Black Mist" ein Demo vorgelegt, welches für mich persönlich das beste im
norwegischen BM darstellt. -Sagte da gerade jemand, das wäre übertrieben? Nun, mein Freund, ich komme nicht
umhin festzustellen, dass du das Teil nicht kennst.-
Weiter im Text: Mit der späteren EP und dem Album "Karg" waren Perished -ich bin versucht zu sagen: natürlich-
nicht mehr in der Lage, diese selbst gesetzte Marke zu erreichen, geschweige denn zu übertreffen. Von der
Papierform her ist die Musik der Norweger recht unspektakulär: BM mit Keyboardunterstützung, mittelschnell bis
recht flott, ohne jedoch in Prügelorgien auszuarten. Das alles hat sicher jeder schon in dutzendfacher Ausführung
gehört. Perished unterscheiden sich von all den Bands, die im Grunde die gleiche Rezeptur verwenden, aber in
einem -entscheidenden- Punkt: Sie schreiben Songs, die unter die Haut gehen, die begeistern, die mich auch nach
Jahren noch zu Jubelstürmen hinreißen. In einem für damalige Demoverhältnisse erstaunlich guten Sound wird
ursprünglicher, norwegischer BM zelebriert, wie er besser kaum sein könnte. Voller Inbrunst und Überzeugungskraft
werden Hymnen wie "The Perfect Face Of Death" oder härtere Attacken wie "A Landscape Of Flames" so beseelend
dargeboten, dass man sofort zum Schwert greifen möchte, um in den Kampf zu ziehen. Und bei aller Gewalt wirkt
die Musik irgendwie schwebend, losgelöst von irdischen Fesseln, wie ein Adler, der über Norwegens Fjorde und
Berge gleitet. Und dieses Bild bringt mich doch tatsächlich auf einen mehr oder weniger passenden Vergleich:
"Bergtatt". Ja, in der Tat ist Ulvers Debüt wohl der beste Anhaltspunkt, um die Atmosphäre auf "Through The Black
Mist" in etwa zu beschreiben. Das jedoch nur als grober Hinweis, musikalisch gehen Perished deutlich
rauer und
bodenständiger zu Werke. Doch, und das bringt uns wieder ein Stück näher zu Ulver, das Ergebnis ist ähnlich
genial.
|
|