SCHRAT

Schattenwahn (CD 2011)


Heute gibts mal wieder Neues aus der Kategorie "Kennt irgendwie keine Sau, aber wieso eigentlich nicht?" - Zielscheibe der Berichterstattung sind diesmal Schrat, die mit ihrem zweiten Opus "Schattenwahn" angetreten sind, dem klassischen, rohen Black Metal ein weiteres Stündchen Lebenszeit zu verschaffen. Und die Zeitangabe ist absolut wörtlich zu nehmen, denn das Trio aus bayerischen Landen prügelt sich in circa 62 Minuten von Alpha bis Omega durch den Silberling und sorgt damit für ziemliche Überlänge. Abgesehen davon, dass ich persönlich 40 bis 50 Minuten immer noch für die optimale Länge halte, kommt es ja bekanntlich auch darauf an, was man mit der gegebenen Zeit anfängt und genau an diesem Punkt gestaltet sich "Schattenwahn" leider ein wenig zäh. Und zwar aus zwei Gründen: Zum einen kann man beruhigt ins Gras beißen, ohne Lieder wie "Transzendenz" gehört zu haben, welches sicherlich ganz ordentlich tönt, aber auch keine Begeisterungsstürme auslöst. Und zum anderen hätte ein Lied wie "Schwarze Brut", das mit seinem sehr amtlichen Hauptriff über den gefrorenen Acker pflügt, gut und gerne zwei Minuten kürzer sein dürfen. Denn so tauglich genanntes Riff auch sein mag: Das zwanghafte Totschrubben desselben gegen Ende des Stücks ist dann doch mit einem deutlichen Spannungsabfall verbunden.
Wesentlich geschickter stellt sich da "Beschwörung..." an. Beginnend mit dissonanten Akkorden stürzt sich das Lied mit Einsetzen des Schlagzeugs und der Stimme zunächst in eine düstere Trance, um dann mit steigendem Tempo in immer höherem Maße seinem Titel alle Ehre zu machen und sich in eine rasende Beschwörung zu verwandeln, die mit dem explosionsartigen Ausbruch der Leadgitarre ihren vorzeitigen Höhepunkt findet. Sehr gelungen!
Neben solchen atmosphärischen Glanzmomenten bedienen Schrat bisweilen aber auch gerne die gute alte Rotze-Black-Metal-Schiene und poltern mit drückenden Uffta-Uffta-Parts durch die Klanglandschaft - Darkthrone lassen grüßen. Ein prominentes Beispiel hierfür gibt zweifelsfrei "Eruption" ab, das mit seiner aggressiven Machart ordentlich in den Allerwertesten tritt. Einer Erwähnung ebenso würdig erweist sich "Im Zwielicht - Abgrund", das nicht ganz so sehr auf den Putz haut - mal vom beständig kratzigen Gekeife des Sängers abgesehen-, sondern eher im Midtempobereich anzusiedeln ist und dessen positive Parallelen zu "Beschwörung..." nicht nur darin bestehen, dass in der Mitte des Stückes eine mitreißende Leadgitarre ihre Schwingen über das Geschehen erhebt.
Man darf sich jedoch keiner Illusion hingeben: "Schattenwahn" ist in seinem Metier eine taugliche Platte, allerdings muss sie sich auch den Vorwurf gefallen lassen, keine wirklich neuen Impulse zu setzen und damit Gefahr zu laufen, "yet another black metal band" zu werden. Was auch wieder schade wäre, denn Schrat besitzen durchaus eine gewisse stilistische Sicherheit und wandeln problemlos zwischen schnellem Geprügel und melancholisch-ausladenden Atmosphärenummern. Doch hätte sowohl der eine als auch der andere Pol etwas mehr Intensität mit sich bringen können, um dem Album noch die letzte Würze zu verleihen. So positioniert sich das gute Stück "lediglich" im oberen Mittelfeld - aber sehen wir es mal so: Das kann auch eine gute Ausgangsbasis für zukünftige Langspieler sein.

7 /10

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Nachtwall
27.09.2011