EGONOIR

Fortuna, Teil 1 (Velut Luna Statu Variabilis) (MC 2011)


Wie eine Biene fliegt EgoNoir von Blume zu Blume und bestäubt die Zwischenstops mit neuen Veröffentlichungen. Hier ein richtiges Album, dort eine Mini, und da hinten, ja, dort das kleine Mauerblümchen, da würde doch eine Kassette ganz gut passen, oder? Diesmal hat's das Projekt zu Der Neue Weg verschlagen, um den ersten Teil der Fortuna-Trilogie als Magnetband unters Volk zu bringen. Für die Firma stellt das so eine Art Ritterschlag dar, denn derart wichtige Bienen haben sich auf diese Blume bisher nicht verirrt. Nein, wenn man sich das Portofolio so anschaut, möchte man gar von Windbestäubung reden...
Doch egal, wo, wichtig ist: EgoNoir haben wieder mal was rausgebracht, und das war bisher zumindest immer ein Reinhören wert. In Sachen Klang gibt's keine grossen Überraschungen; dünne Gitarren, schepperndes Schlagzeug und dominanter, vielseitiger Gesang - insgesamt alles wie gehabt, auch wenn das Ganze vielleicht ein bisschen kräftiger wirkt, wovon vor allem die BM-Ausbrüche profitieren. Samples, viele gesprochene Passagen und allerlei Spielereien vermitteln den Eindruck, dass man nicht so sehr Songs schreiben sondern Geschichten erzählen will. Und das gelingt auch ziemlich gut. Die 30 Minuten wirken wie aus einem Guss, sind atmosphärisch dicht gestaltet und sogar ziemlich dramatisch. Sinn für Spannungsaufbau haben die Herren auf jeden Fall, und so wirkt "Fortuna" trotz aller Vielfalt von Geschichtenonkel bis hin zu den für EgoNoir-Verhältnisse wohlgenährten und durchaus melodischen BM-Sachen in sich schlüssig und fast schon mitreissend; auf jeden Fall wird gute Unterhaltung geboten.
Was ich allerdings ganz und gar nicht verstehe, ist das Bedürfnis, sich bei Carl Orff zu bedienen. Klar, thematisch passt das, und "Carmina Burana" ist ein grossartiges Stück Musik. Das genau ist aber auch das Problem: Das Werk hat eine solche Strahlkraft, dass es alles andere nicht an seinem Glanz teilhaben lässt sondern es neutralisiert. Das macht keine Lust auf mehr EgoNoir sondern auf Orff in voller Länge. Kann sein, dass dies nur bei mir so wirkt, aber für meinen Geschmack tut sich keine Band mit derlei übergrossen Zitaten einen Gefallen, und auch "Fortuna" hätte ohne CB-Sample nichts von seiner Klasse verloren. Eher im Gegenteil.

8 /10

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Der Neue Weg

 

Erik
04.11.2011