AURVANDIL

Yearning (CD 2011)


Ich muss schon sagen: Mit Aurvandils "Yearning" hat mich mal wieder der absolute Rezensionistenalbtraum ereilt. Und nein, das bedeutet nicht, dass ich vom Hören Blutergüsse im Gehörgang bekommen habe - dann könnte ich ja immerhin umfangreichst über meine erlittenen gesundheitlichen Schäden berichten, und schon wäre der Artikel fertig. Aber nichts da, denn dummerweise wandelt Aurvandils erste Langrille auf diesem schmalen und verdammt nervigen Grat zwischen "unfassbar langweilig" und "hat gute Momente", so dass man sich als Kritiker am liebsten ins Knie schießen will, weil man ums Verrecken nicht weiß, was man von der Platte halten soll. Man will dem Gebotenen ja durchaus was abgewinnen können und probiert es immer wieder - nicht umsonst liegt "Yearning" schon seit mehr als zwei Monaten bei mir rum - aber der Mühe Lohn bleibt dennoch beständig verwehrt. Was ausgesprochen schade ist, denn ein Griff ins Klo ist "Yearning" eigentlich nicht. So weiß zum Beispiel der Abschluss von "A Guide To Northern Scapes" das zu halten, was das Label "Atmospheric Black Metal" verspricht: Getragene, epische Melodien, die sich in ihrem Aufbau stetig steigern und eine entrückte Stimmung kreieren.
Allerdings ist hier ganz bewusst von einer Momentaufnahme zu sprechen, denn über das gesamte Album hinweg haben sich doch einige Längen eingeschlichen - man denke nur an die akustischen Zwischenspiele, die vermutlich verträumt wirken sollen, letztendlich aber doch nur als Baldrianersatz taugen. Ob das jetzt daran liegt, dass die Akkorde etwas halbgar sind oder der Sound schlichtweg zu dünn ist, sei mal dahingestellt - vermutlich trägt beides seinen Teil zur versalzenen Suppe bei. Eine ähnliche Wirkung ist den bisweilen recht ungehobelten Übergängen zu bescheinigen, die sich in die sonst eher behutsam aufgebauten Songstrukturen so gut einfügen wie der sprichwörtliche Elefant in den Porzellanladen. Es ist dies die generelle Krux mit "Yearning", dass es wie hohe Kunst wirken will, dabei aber regelmäßig über die eigenen Füße stolpert und auf die Schnauze fliegt.
Übrigens, wusstet ihr schon? Wenn man im Wort "atmosphärisch" gerade mal 13 Zeichen ändert, erhält man "langweilig"! Und das Schlimme daran ist, dass es musikalisch sogar noch schneller geht, wie Aurvandil beweisen. Denn leider neigt die Truppe dazu, den Hörer erstmal viel zu lange mit belanglosem Material zu nerven, bevor sie es dann auf den letzten Drücker doch noch gebacken kriegt, ein paar positiv herausstechende Momente zu erschaffen. Im Hinblick auf eine stetig zu haltende Atmosphäre ist das jedoch zu wenig - gerade wenn man bedenkt, dass die vorrangig im Tremolostil gehaltenen Riffs es so gut wie nie schaffen, die Schwelle zur Begeisterung zu überschreiten. Natürlich lässt sich da ein "Klingt gut" bescheiden, aber letztendlich kann das nicht dem Anspruch des Künstlers genügen, sowie man sich auch eingestehen muss, dass es heutzutage viel zu viele Black-Metal-Bands gibt, um seine Zeit mit Mittelmaß zu verschwenden.
Anspruch ist sowieso ein gutes Stichwort, denn jener scheint im Falle von "Yearning" doch ein paar Differenzen zur Realität aufzuweisen. Laut Beipackzettel haben wir es hier nämlich mit einem "cold, harsh manifest" zu tun. Ach ja? Nun, um dieses relativ warme und saftlose Klanggewand "cold" und "harsh" zu finden, müsste ich mir schon zwei Eisblöcke um die Ohren schnallen. Das einzige Stück auf der Platte, welches dieses Attribut wirklich zu recht trägt, ist das Cover von Burzums "Jesu D?d". Und ebenjenes macht als Kontrast zum restlichen Songmaterial mehr als deutlich, mit welcher Leichtigkeit der nette Herr Vikernes mit gerade mal vier Riffs die gesamte Aurvandil-Platte in die Tasche steckt. Das nennt man dann wohl ein Eigentor...

5.5 /10

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Eisenwald Tonschmiede

 

Nachtwall
07.12.2011