KURSED

In the Labyrinths of Death (CD 2010)


Lateinamerikanischer BM wird in Europa kaum beachtet - und das völlig zurecht. Trotz historisch bedeutsamer Szenevertreter, haufenweise Bands und unaufhaltsamer Veröffentlichungsflut ist in der Region kreativ nicht besonders viel los. Man beschränkt sich zumeist auf das ebenso mittelmäßige wie biedere Nachäffen europäischer oder nordamerikanischer Trends oder noch langweiligere Norsecore-Nostalgie. Und wenn dann doch mal was Interessantes erscheint, wird's leicht ignoriert, weil man von BM aus Lateinamerika sowieso die Schnauze voll hat.
'Ne dumme Theorie? Vielleicht. Aber immerhin erklärt sie, wie "In the Labyrinths of Death" ein ganzes Jahr unter dem Radar bleiben konnte. Das Debüt von Kursed, einem Projekt aus dem Umfeld der chilenischen Megiddo ist nämlich eine BM-Granate, die eigentlich in aller Munde sein müsste. Zugegeben, sonderlich originell ist auch dieses Unternehmen nicht, aber immerhin klingt die Scheibe weder nach Mittelmaß noch nach den am häufigsten zitierten Altmeistern. Nein, wenn ich Kursed mit anderen Bands vergleiche, so handelt es sich dabei - ausnahmsweise! - nicht um die Unterstellung, man hätte sich tatsächlich irgendwo musikalisch bedient, sondern lediglich um Assoziationen, die "In the Labyrinths of Death" in mir weckt. Zu nennen wären da etwa das Debüt von Helheim oder auch Hagals "Sterbender Traum", die beide mit ähnlich extremem Geschei aufwarten. Auch das Etikett "semi-klassischer nordischer BM mit verhältnismäßig melodischen Gitarren" könnte sich der chilenische Einzelkämpfer mit den genannten Referenzen teilen, doch passt auf Kursed in dieser Hinsicht ein anderer Vergleich viel besser: "Prophecies of the Dying".
Der Enthral-Erstling, diese völlig vergessene und sträflich unterbewertete Perle norwegischen Musikschaffens, der Enthral-Erstling ist das Album, mit dem ich die Musik von Kursed am ehesten vergleichen würde, und zwar sowohl stilistisch als auch qualitativ. Der Bass, die Gitarrenmelodien, das flott-beschwingte Tempo diesseits purer Raserei - das alles verbindet die beiden Alben, auch wenn es natürlich Unterschiede gibt: Kursed geht roher zur Sache, die Stücke sind kompakter, rockiger und kommen schneller auf den Punkt; und Firlefanz wie beispielsweise Frauengesang gibt's gar nicht. Eine bodenständigere, erdigere Version also, wenn man so will. Und eine, der die wichtigsten Tugenden von Enthral nicht abgehen: perfektes Rhythmusgefühl, ein Händchen für großartige Melodien, Stilsicherheit und eine Leichtigkeit, ja fast Selbstverständlichkeit, mit der man sich BM-Hits am Fließband aus dem Ärmel schüttelt.
Doch genug der Lobhudelei. Wer jetzt noch nicht am Runterladen ist, dem können auch tausend weitere Worte nicht helfen.

9 /10

Official Website

Australis Records

 

Erik
09.12.2011