MORDAVIA

Mortal (Digi 2013)


Die Band heißt Mordavia, das Album hört auf den Namen "Mortal", und der nette Herr dahinter hat sich das Alias "Morgue" zugelegt. Gleichzeitig spielt er noch in einer Band namens Mar Mortuum. Und wo kommt er her? Richtig, aus Melbourne! Irgendwie habe ich das Gefühl, dass Mr. Morgue beim guten, alten Glücksrad kaum Probleme gehabt hätte sich für einen Buchstaben zu entscheiden... Aber heißt das nun auch, dass die Platte nur mittelmäßig ist? Mitnichten! Denn dafür, dass vorliegendes Album bislang kaum Beachtung gefunden hat, liefern Mordavia ein ganz schön amtliches Stück rotzigen Black Metals ab. Sicher ist nämlich schon mal eines: So wie Alleinunterhalter Morgue ins Mikrofon keift und krächzt, muss er bei den Aufnahmen verdammt schlechte Laune gehabt haben. Umso passender, dass auch die Instrumentalsektion mit ihren leichten Black'n'Roll-Anleihen eine herzige Fuck-Off-Attitüde versprüht. Bevor aber jetzt jemand beim Wort Black'n'Roll spontan Gehirnausschlag bekommt und nicht mehr weiterlesen kann: Keine Sorge, das gute Stück hier ist nach wie vor primär Black Metal - Tanzbein schwingen ist jedenfalls nicht drin. Das verdeutlichen vor allem Stücke wie das melancholisch gehaltene "Necrologies Of Mankind", das eher schleppend, aber dennoch nicht weniger mitreißend durchs Gebälk poltert.
Geschwindigkeitsrekorde stellen Mordavia aber sowieso nicht auf - klar, es wird vereinzelt auch mal geknüppelt, aber die meiste Zeit groovt "Mortal" im Midtempo. Das erschafft in Kombination mit den ausgesprochen dunkel gefärbten Gitarren ein interessantes Spannungsfeld zwischen grauer Schwermut und verbittertem Zorn. Mordavia gelingt es dabei nicht nur, die Balance zwischen diesen beiden Polen zu halten, sondern auch immer wieder mehr oder weniger abwechslungsreiche Kontrapunkte zu setzen. Seien es nun eher rockige Riffs oder aber elegische Tremolomelodien - "Mortal" hat definitiv mehr zu bieten als die durchschnittliche Prügelplatte, bei der schon der kleinste Drumbeatwechsel eine Wohltat ist.
Doch so gut "Mortal" innerhalb seiner Möglichkeiten funktioniert - auf eine seltsame Art und Weise wirkt die Platte dann doch etwas limitiert. Der gesteckte Rahmen zwischen den getragenen Abschnitten auf der einen und den vorpreschenden Riffs auf der anderen Seite wird zwar mehr als reichlich ausgereizt, doch vermutlich hätte es der Platte gut getan, genau diesen Rahmen auch mal bewusst zu sprengen und den eigenen Stil weiter zu explorieren. Atmosphäre hat die Platte ja durchaus - man denke nur an das erwähnte "Necrologies Of Mankind" -, aber Stücke wie "Frozen Skin" offenbaren auch, dass nicht alles, das widerborstig durch den Gehörgang walzt, dort auch dauerhaft hängenbleibt. Es ist daher vermutlich auch der Tiefgang, der einzelnen Kompositionen etwas zu sehr abgeht, um "Mortal" in höchste Wertungsregionen vorstoßen zu lassen.
Aber genug gemeckert: Mordavia ist von diesen Mängeln mal abgesehen nämlich ohne Zweifel ein absolut hörenswertes Erstlingswerk gelungen, das jedem, der im Geiste öfter mal den Mittelfinger ausfährt, ein breites Grinsen auf die Visage zaubern dürfte. Es ist sicherlich nicht das Album des Jahres, was wir hier präsentiert bekommen, aber es hat ohne Zweifel das Zeug zum Geheimtipp. Umso verwunderlicher ist es, dass "Mortal" noch von keinem Label unter seine Fittiche genommen wurde - und da könnte ich persönlich auch schlechte Laune bekommen...

7.5 /10

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Nachtwall
06.01.2014