NAGUAL

Zgliszcza (MCD 2013)


Die Mini ist ein komisches Format. Mehr als bloß ein Appetithappen, aber irgendwie immer auch ein bisschen zu kurz. Und für Label ein undankbares Unterfangen, nur wenig mehr als eine EP zu verticken, während die Herstellung genauso viel kostet wie die eines richtigen Albums. Deswegen wohl werden Minis nur ausnahmsweise mal veröffentlicht, und oft lediglich als erstes Lebenszeichen. Dennoch (oder doch eher deswegen?) haben einige der besten Bands ihre besten Momente im Miniformat erlebt. Man denke da nur an Emperor, die zumindest mich nie wieder so sehr und nachhaltig begeistert haben wie mit jenen legendären 20 Minuten. Oder Dark Funeral, die nach ihrem ersten Auftritt in der Öffentlichkeit kein Bein mehr auf den Boden bekommen haben. Oder auch Dawn, die die etwas genialeren ihrer immer großartigen Stücke auf "Sorgh på Svarte Vingar Fløgh" verewigten.
Womit wir nach dieser endlosen Vorrede nun endlich zu Nagual kommen wollen. Das polnische Projekt hat nämlich 15 Minuten BM vorgelegt, die recht schwedisch klingen und zwar am ehesten nach eben jenen Dawn. Will heißen rasant, dabei aber mit einem Gespür für Melodie und Drama, dem etwa die bereits erwähnten Dark Funeral seit fast 20 Jahren erfolglos hinterher rennen. Ein räumlich und zeitlich relevanterer Vergleich wären vielleicht Massemord, als die noch versuchten, schwedisch zu klingen. Stilistisch ist Nagual da relativ nah dran, doch auch wenn ich Massemord gar nicht so übel finde, muss ich doch sagen, dass "Zgliszcza" die Truppe recht alt aussehen lässt. Das hier hat mehr Dampf, mehr Biss, ist explosiver, hat die geileren Melodien und die dichtere Atmosphäre zu bieten.
Kompositorisch und dramaturgisch musizieren Nagual auf einem Niveau, das man angesichts des Alters des Projektes kaum glauben möchte. Die Frage stellt sich natürlich, ob das nur ein Ausrutscher ist, so wie die erste Mini einer gewissen schwedischen Band, die ich nicht noch ein drittes Mal erwähnen will, ein offensichtlicher Ausrutscher war. Kann man jetzt nicht wissen, aber es ist auch nicht so wichtig: Wenn das Debütalbum von Nagual so langweilig wie "The Secrets..." wird, dann ist das zwar traurig, aber immerhin bleibt uns noch "Zgliszcza", und das ist doch viel besser als gar nichts.

9 /10

Official Website

Soundcloud

Bandcamp

 

Erik
18.01.2014