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"Aux frontières du post-rock, du screamo et du post-hardcore" - das hört sich ziemlich schlimm an, ist aber letztendlich erstaunlich wenig schockierend, haben wir uns doch an dieser Stelle auch schon mit Light Bearer oder Tempest beschäftigt, die von einem gewissen Standpunkt aus ähnlich fehl am Platze waren.
In den vergangenen Jahren haben sich die Grenzen des BM (bzw. der für manche BM-Hörer u.U. akzeptablen Musik) in eine Richtung hin verschoben, die ausnahmsweise mal nicht von kommerziellen Gesichtspunkten motiviert scheint. Bands wie etwa Celeste spielen einen tiefschwarzen Post-Hardcore, den man zwar musikalisch ohne Probleme vom klassischen BM unterscheiden kann, der jedoch in Sachen Stimmung und Intensität viel mehr mit den ursprünglichen Idealen zu tun hat als die meisten BM-Auswüchse der letzten 20 Jahre. In diesen Rahmen gehören letztendlich auch Errata, selbst wenn ich zugeben muss, dass die Truppe von BM-Hörern deutlich mehr Offenheit verlangt als etwa Celeste oder Tempest, da sie sich zu jenen ungefähr so verhält wie "Min Tid Skal Komme" zu "Pure Holocaust".
"L'Autre Hémisphère" verbindet brachiales Gerüpel mit luftigem Post Rock sowie akustischen und Ambientfarbtupfern. Fand ich persönlich die Verbindung von BM und Post Rock bei Bands wie beispielsweise Lantlos immer aufgesetzt und störend, so passen diese Elemente bei Errata perfekt in den musikalischen Rahmen. Dabei entstehen sehr dynamische, dramatische und spannende Stücke, die zwischen Zerbrechlichkeit und Dampfwalze pendeln und eine unglaublich dichte Atmosphäre vermitteln.
Acht zumeist überlange Stücke haben Errata für die Nachwelt festgehalten, die mich selbst nach dem hundertsten Durchlauf noch fesseln und begeistern können. Besonders angetan haben es mir dabei (ausgerechnet!) die postig singenden Gitarren, die in luftiger Höhe über dem knackigen HC-Fundament eine Gänsehautmelodie nach der anderen produzieren. Erwähnen könnte und müsste man wohl auch noch das facettenreiche Schlagzeugspiel, doch wichtiger als die einzelnen Zutaten ist die Art und Weise, mit der "L'Autre Hémisphère" in seiner Gesamtheit wirkt. Errata müssen eine Ewigkeit damit zugebracht haben, ihre zahllosen Ideen unter einen Hut zu bringen. Das Ergebnis klingt aber weder angestrengt noch überladen. Ganz im Gegenteil, in geradezu unbeschwerter Perfektion tönt das Album aus den Lautsprechern. Und trotz aller Details hat man auch die ausladenden Höhepunkte epischen Formats nicht vergessen, die auch dann noch für Euphorie sorgen, wenn man die Scheibe auswendig kennt.
Wie gesagt, BM ist das auf gar keinen Fall; doch ich wage zu behaupten, dass "L'Autre Hémisphère" zumindest einigen BM-Hörern gefallen könnte. Für mich persönlich das überraschendste und wahrscheinlich auch beste Album des letzten Jahres. |
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