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Ja ja, über die Aussagekraft eines Demos lässt sich vortrefflich streiten. Hatten die Herrschaften vielleicht einfach nur einen guten Tag? Kriegen die mit ihren Ideen im Ernstfall auch eine ganze Platte voll? Und zwar bitteschön auf hohem Niveau? Mit solchen Fragen kann man sich vorzüglich herumplagen - vor allem, wenn das vorliegende Demo gerade einmal zwei Stücke mit einer Gesamtspielzeit von 17 Minuten aufweist. Aber dennoch: Manchmal verbirgt sich hinter solchen ersten musikalischen Gehversuchen auch eine hoffnungsvolle Neuentdeckung, die man zumindest mal im Auge behalten sollte.
Anlass für genau diesen stillen Optimismus geben nun auch Brutius, deren Erstling "Ender" einige interessante Aspekte mit sich bringt. Und zwar zuallererst: Es gibt keinen Gesang. Richtig - kein Geschrei, kein Gekreische, kein Gegrunze, absolut nichts. Und wer schon mal selbst versucht hat, ein paar Takte Musik für die Ewigkeit festzuhalten, durfte vermutlich einigermaßen schnell feststellen, dass es gar nicht so einfach ist, ohne Vocals Stücke zu schreiben, bei denen einem nicht auf Dauer die Füße einschlafen. Gesang ist und bleibt halt doch ein prima Patentmittel, um uninspirierte Riffs zu übertünchen. Man denke nur daran, was so manche 08/15-Depri-BM-Kapelle zwischendurch auf die Menschheit loslässt...
Brutius lassen hier also entsprechend tief blicken und geben sich dennoch kaum eine Blöße, denn mit ihrer sehr atmosphärisch aufgeladenen Spielart sorgen sie für genug klangliche Aha-Momente und treten somit den Beweis an, dass man auch ohne stimmliche Unterstützung fesseln kann. Grundzutaten dieser Aufmerksamkeitsdefizitskur: Interessante Melodien, songdienliche Abwechslung und vor allem spannungsgeladene Dynamik. Gerade mit letzterer zeigt die junge Truppe, dass sie schon eine Menge von gutem Black Metal versteht. Das kraftvolle und den Fluss der Kompositionen optimal tragende Drumset ist jedenfalls ein Paradebeispiel dafür, wie man mit regelmäßigen Tempowechseln den Hörer an sich bindet, ohne ihn durch zu wirres Gekloppe zu verscheuchen.
Bei aller Energie, die in den beiden Nummern pulsiert, wird jedoch mindestens ebenso schnell offenbar, dass "Ender" mitnichten ein tumber Kraftprotz ist, sondern auch melodischere Seiten vorzuweisen hat. Wenig verwunderlich, ist doch schon der Sound der Gitarren in vergleichsweise warmen Tönen gehalten - klirrend kalte Saitenattacken muss man hier jedenfalls nicht befürchten. Stattdessen spielen Brutius bevorzugt auf der Klaviatur der subtilen Melancholie und mischen dem allzu bereitwillig eine mehr als ordentliche Portion Bumms bei, die das Demo erst so richtig interessant macht.
Aber ganz ehrlich: Wenn es nach mir ginge, dürften die Burschen ihre Shoegaze-Einflüsse gerne noch deutlicher zurückfahren und dem ganzen mehr Boshaftigkeit einflößen. Brutius bewegen sich auf einer Gratwanderung zwischen Black Metal und Shoegaze, wenn auch mit Schlagseite zu ersterem. Und während der BM dem Gebotenen seine Dringlichkeit und Intensität verleiht, bringt sich das Schuhgeglotze für meinen Geschmack noch ein wenig zu sehr mit seiner Weichgespültheit und Geschmeidigkeit ein. Black Metal darf und muss auch mal weh tun und dafür präsentiert sich "Ender" in dieser Form dann doch etwas zu handzahm. Aber gut, wir wollen den Künstlern ja ihren kreativen Spielraum nicht nehmen und es bleibt nun abschließend auch einfach anerkennend festzuhalten, dass Brutius auf jeden Fall schon mal einen ersten Achtungserfolg errungen haben. Spielfreude und kompositorisches Geschick vereinen sich hier zu einem stimmigen Ganzen, das aufhorchen und kommende Veröffentlichungen mit gewisser Neugier erwarten lässt. |
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