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Ein Blick zurück: "Al Azif" war in meinen Ohren eine Enttäuschung. Alles eher unspannend und unwichtig, habe ich seinerzeit lamentiert: "[...] Selbst an sich schnelle Sachen wirken dank flauschiger Produktion wenig aggressiv. Auf Hits oder Ohrwürmer wird verzichtet, stattdessen bieten die Franzosen gefällige, ziemlich atmosphärische Musik. Die taugt dank allgemeiner Harmlosigkeit am ehesten zur Hintergrundbeschallung [...]." Als hätten The Great Old Ones sich mein Gejammer zu Herzen genommen, ist "Tekeli-Li" ein grandioser Befreiungsschlag aus der Tristesse des Post-BM-Mittelmaßes.
Heuer machen die Franzosen alles besser, worüber ich mich vor ein paar Jahren noch ärgern musste. Schon das erste (richtige) Stück "Antarctica" pulverisiert das gesamte bisherige Schaffen der Truppe. Die ersten Minuten erinnern an die schweren, bedrückenden Sachen von Weakling, und auch später kann man eine entfernte Verwandtschaft nicht von der Hand weisen, selbst wenn TGOO eine Spur moderner klingen mögen. Der Auftakt macht auf jeden Fall überdeutlich, dass man sich vom Easy Listening des Vorgängers sehr, sehr weit entfernt hat.
Glücklicherweise handelt es sich dabei um keinen Ausreißer, nein, der Rest der Scheibe ist - mindestens! - genauso gut. Bestimmt wird das Klangbild im Prinzip immer noch von postigen Breitwandgitarren, doch haben diese der Flauschigkeit abgeschworen und begeistern nun mit grimmigem BM-Biss. Und beispielsweise bei "Awakening" gibt es die Postversion der einsam den Mond anheulenden Frostgitarre zu bewundern; schwermütig und wunderschön.
Auch auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen: "Tekeli-Li" ist ein ganz fantastisches Album geworden. Härter und schroffer als das Debüt, zwingender komponiert, mächtiger inszeniert, dramatischer arrangiert und mitunter auch ein bisschen dissonant. Das ist keine Musik mehr, die zur Hintergrundbeschallung taugt. Nein, derartige Musik drängt sich notfalls mit Gewalt in den Vordergrund, frisst sich mit unwiderstehlichen Ohrwürmern und absoluter Urgewalt ins Bewusstsein. Fernab von Cascadia haben TGOO sowas wie den inoffiziellen Nachfolger zu "Dead as Dreams" erschaffen, auch wenn es musikalisch nur sporadische Berührungspunkte gibt. Doch in Sachen Intensität und Vision ein durchaus gerechtfertigter Vergleich und für das beste BM-Album der Gegenwart eine angemessene Referenz. |
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