SHYLMAGOGHNAR

Emergence (CD 2014)


Shylmagoghnar: Wenn man sich schon so nennt, müsste man seiner Platte eigentlich netterweise noch eine Anleitung zum korrekten Aussprechen des Bandnamens beilegen, damit es zu keinen größeren Sprachunfällen kommt. Und das wäre sogar mehr als angebracht, denn - so viel sei schon mal verraten - "Emergence" ist ein Album, über das zu sprechen sich definitiv lohnt! Und genauso, wie man beim Bandnamen zweimal hinschauen muss, erweist sich auch die stilistische Einordnung Shylmagoghnars nicht als Unternehmung, die zwangsläufig im ersten Anlauf gelingt. Oder um es anders zu sagen: Hier steckt eine Menge drin. Ohne Zweifel, das Fundament bildet der Black Metal. Darüber hinaus lassen sich jedoch auch zahlreiche Death- und Progressive-Metal-Einflüsse heraushören, die das kreative Spektrum des verantwortlichen Duos angenehm erweitern. Wenn man einen roten Faden durch das Gesamtwerk ziehen wollte, so würde dieser jedoch sicherlich das Attribut "melodisch" verpasst bekommen, denn das ist und bleibt es über allem anderen, was Shylmagoghnar hier über die knapp 52 Minuten Spielzeit erschaffen haben.
Umso schöner, dass der Ideenreichtum und die musikalische Offenheit der beiden Herrschaften nicht zulasten eines ziellosen Riffgenudels ohne Rücksicht auf Verluste in Sachen Komposition gehen, sondern dass sich auf "Emergence" einige gerade wegen ihres Aufbaus und ihrer Dynamik enorm starke Songs finden lassen. Bereits der Opener "I Am The Abyss" macht hier ganz schnell Nägel mit Köpfen und entpuppt sich als unglaublich mitreißende Nummer, die von Melodic-Death-Metal-Anleihen zu Beginn über einen fast schon an WitTR erinnernden Mittelteil zu einem absolut epischen Abschluss findet. Und es spricht wohl für sich, wenn ein Song einen beim ersten Hören gleich dermaßen am Schlafittchen packt, dass einem glatt entgeht, dass es sich um ein reines Instrumental handelt. Lange Rede, kurzer Sinn: "I Am The Abyss" legt die Messlatte verdammt hoch. Und nun ja, im weiteren Verlauf der Platte gelingt es Shylmagoghnar mal besser und mal schlechter, dieses Niveau zu halten. Vor allem den beiden stark synthielastigen Nummern "This World Shall Fall" und "The Sun No Longer" fällt es sichtlich schwer, es mit dem Rest des Liedguts aufzunehmen. Klar, als Auflockerung kann man solche Experimente gerne mal wagen, aber wenn es etwas gibt, das Shylmagoghnar draufhaben, dann ist es dieses ungemein faszinierende Gemisch aus Melodic Black, Death und Progressive Metal. Seien es nun erhabene Schwarzwurzelriffs ("Emergence"), höllische Todesgrooves ("Edin in Ashes") oder verspielte Proganleihen ("Eternal Forest") - alles vorhanden und auf wunderbare Art und Weise miteinander in Einklang gebracht.
Bei so viel Licht fällt aber natürlich auch der eine oder andere weitere Schatten auf: So wäre zu bemängeln, dass sich bei all der generellen Kreativität der Midtempobereich dann doch etwas zu sehr zur Wohlfühlzone entwickelt. Hier hätte ein bisschen mehr Variation bezüglich des Tempos noch das letzte Quentchen mehr an Intensität und Eindringlichkeit ausmachen können. Und vielleicht hätte dies gerade dem finalen Abschnitt der Platte gut getan, der sich ein wenig unfokussierter gibt und somit im Vergleich zum großartigen Auftakt doch etwas abfällt. Aber damit das klar ist: Selbst dann ist "Emergence" noch ein starkes Stück Musik - gerade wenn man bedenkt, dass es sich hier um ein Debütalbum handelt. Beste Aussichten also, denn alles in allem macht die junge Truppe schon ausgesprochen vieles richtig und hat trotzdem noch Luft nach oben. Shylmagoghnar ist damit definitiv ein Name, den man sich für die Zukunft merken sollte - auch wenn es zugegebenermaßen nicht leicht fällt.

8.5 /10

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Nachtwall
09.08.2014