VYRION

Geo (CD 2014)


Intellektuell schätzenswert, auf rein emotionaler Ebene jedoch rasch ermüdend - die "progressive" Unterschublade treibt manchmal arg gewöhnungsbedürftige Blüten. Das ist per se zwar keineswegs schlecht, in Extremfällen wie den zweifellos talentierten Cormorant, die um jeden Preis ihre Einflüsse aus Papas Plattenecke verwursten wollen, jedoch kaum noch nachvollziehbar. Es geht aber auch wesentlich stimmiger, wie es diese vier Herren unter Beweis stellen und bei allerlei Vorliebe für kurzweilige Genre-Ausflüge eine klare Linie verfolgen, die unter Kennern ausschließlich freiwillige Gefangene einsammelt.
Würden Be'Lakor ihren melodischen Oberbau plätten, in schwarzes Simplicol tauchen sowie dabei zeitweilig Triptykon hören, kämen wir nur ungefähr in die Nähe von "Geo". Denn obwohl hier und da diverse Einflüsse hervorscheinen (einige Kollegen wollen sogar Enslaved herausgehört haben), geben sich die Australier nicht mit bloßer Rezitation zufrieden, sondern schaffen meist zwischen knallend akzentuierter Rhythmik und düsterer Epik gleitende Nummern, in denen Klischees keinen Platz haben. Vyrion bauen lieber Spannung auf und belohnen mit explosiven Abschlüssen. Progression wird hier tatsächlich als Weiterentwicklung im eigentlichen Sinne verstanden, sowohl hinsichtlich des Werdeganges der hier vertretenen Stücke als auch in stilistischer Hinsicht. Die Ver-, wenn nicht sogar Einschmelzung diversester todes- und svartmetallischer Barrieren verkommt zum Glück nicht zur indiskutablen Prämisse beziehungsweise merkt man es dem Vierer nie an, denn dafür geht er mit viel zu viel Herzblut heran.
Doch damit nicht genug, bekommt der zahlungswillige Fan sogar ein umwerfendes Artwork mitgeliefert, das die Essenz Song für Song auf den Punkt bringt. In Zeiten von Textknausrigkeit und GEMA-Sparvariante eine echte Wohltat seitens der Band, die dieses Kleinod in Eigenregie pressen ließ. Ob dies einem OCD-ähnlichen Kontrollwahn geschuldet oder erneut der geschmacklichen Impotenz aller Labels da draußen zuzuschreiben ist, spielt keine Rolle - "Geo" ist groß.

9 /10

Official Website

Bandcamp

Facebook

 

Amicus
05.01.2015