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Es gibt Bands, die haben einen derartig boshaften Sound, dass sie vermutlich sogar "Alle meine Entchen" spielen könnten und es würde dennoch wie eine Liveübertragung aus der Hölle klingen. Desolate Shrine sind genau so eine Band und entfesseln mit "The Heart of the Netherworld" eine Album gewordene Monstrosität, die dem Hörer mit ihrer verzerrten Fratze direkt in die Seele starrt. Denn in Ergänzung zum grandiosen Klanggewand ist es den Finnen glücklicherweise auch gelungen, Liedgut zu komponieren, das wie eine wild gewordene Bestie in der erdrückenden Finsternis wütet. Stilistisch bewegt sich "The Heart of the Netherworld" dabei irgendwo zwischen Death und Black Metal, auch wenn die Schlagseite musikalisch gesehen durchaus zugunsten des ersteren ausfällt - zumal auch fleißig gegrowlt wird. Was die durch und durch okkulte Atmosphäre sowie die ebenfalls vorhandenen blutrünstigen Screams angeht, schlägt das Barometer jedoch deutlich in Richtung Black Metal.
"The Heart of the Netherworld" ist nun auch ein Beispiel dafür, dass es nicht immer einzelne Riffs sind, die die Genialität einer Platte ausmachen - zumal der Sound eine präzise Nachvollziehbarkeit der Riffs auch gar nicht immer erlaubt. Aber das haben Desolate Shrine so gesehen auch gar nicht nötig, denn die Stücke atmen dank ihrer ungemein dichten Vertonung eine sinistre Bosheit, die selbst den stärksten Willen in die Knie zwingt. Charakteristisch ist dabei vor allem die Mischung aus dissonanten Klangkonstrukten und den geradezu gigantischen Gitarrenwänden, die sich über dem Hörer auftürmen.
Die ehrfurchtgebietende Kolossalität von Liedern wie "Black Fires of God" oder "Desolate Shrine" ist es auch, die dieser Platte ihre unbestreitbare Klasse verleiht. Mal behäbig und ruhig ("We Dawn Anew"), mal mit Brachialgewalt stampfend ("Leviathan") und mal der Raserei anheimfallend ("The Heart of the Netherworld") erweist sich der Titan zudem als erstaunlich beweglich. Wenn man unbedingt Anlass zur Kritik finden will, dann höchstens darin, dass die beiden Longtracks "We Dawn Anew" und "The Heart of the Netherworld" nicht gewisser Längen entbehren. Aber selbst diese beiden Stücke sind durchtränkt mit einer erhabenen Bösartigkeit, von der andere Bands nicht mal zu träumen wagen.
"Leviathan" versinnbildlicht insgesamt mit seinem großartigen Schlussdrittel nochmals par excellence wie es Desolate Shrine mühelos gelingt, dem Hörer zunächst die Schlinge um den Hals zu legen, um sie schließlich erbarmungslos zuzuziehen. "The Heart of the Netherworld" ist ein Album, das einem die Luft zum Atmen nimmt - es ist ein Album, das einem unaufhörlich pechschwarzes Blut in die Venen pumpt. Und genau deswegen gehört es auch schon jetzt mit zu dem Besten, was das Jahr 2015 musikalisch zu bieten hat. |
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