ARCHGOAT

The Apocalyptic Triumphator (CD/LP 2015)


Bei all der Aggressivität, die der Musik innewohnt, ist Black Metal auch ein Genre, in dem eine gewisse feingeistige Ästhetik nicht unbedingt selten anzutreffen ist. Aber natürlich bestätigen auch hier Ausnahmen die Regel - und Archgoat sind definitiv eine ganz dicke Ausnahme. "The Apocalyptic Triumphator" ist nämlich schlichtweg ein brutales Machtwerk, das weniger Wert auf Ästhetik legt, sondern vielmehr mit vulgärer Blasphemie seine Verachtung für den christlichen Glauben zum Ausdruck bringt. Liedtitel wie "Nuns, Cunt & Darkness" oder "Phallic Desecrator of Sacred Gates" lassen dabei keinen Zweifel daran, dass die Finnen auch gerne mal unter die Gürtellinie zielen. Das könnte man nun als billige Provokation auffassen - in Kombination mit der absoluten Kompromisslosigkeit der Musik ergibt sich jedoch das Bild eines Albums, das seinen okkulten Grundcharakter mit aller Gewalt transportieren will.
Archgoat bewegen sich dabei bisweilen geradezu an der Grenze zum Dilettantismus, vor allem wenn es um die Vocals geht. Die sind nämlich derart roh, dass man meinen könnte, für die Aufnahmen habe sich halt einfach nichts Besseres als das ramponierte Headset aus dem Keller finden lassen. Doch spätestens wenn in "Grand Luciferian Theophany" die - zugegebenermaßen wenig kreativen - Zeilen "Hail Satan, Hail Lucifer, Hail Satan!" mit martialischer Inbrunst erschallen, entpuppt sich der vermeintliche Dilettantismus als schonungslose Radikalität und damit als essentieller Bestandteil der zutiefst blasphemischen Natur des Albums.
Und auch wenn "The Apocalyptic Triumphator" sicherlich alles anderes als "easy listening" ist, muss man der Scheibe doch eine gewisse Eingängigkeit bescheinigen. Die Sechssaiter bewegen sich gerne im Tieftonbereich und sind oft genug mit einem unwiderstehlichen Groove ausgestattet. Einer besonderen Erwähnung als würdig erweist sich dabei vor allem das Finale von "Those Below (Who Dwell In Hell)" mit seinem pulsierenden Rhythmus, der im Zusammenspiel mit den simpel gehaltenen Riffs maximale Wirkung entfaltet. Dies ist nicht zuletzt auch dem Umstand zu verdanken, dass der knochentrockene Sound der Gitarren genügend Raum für das Schlagwerk lässt, welches die Stücke unnachgiebig vorantreibt. In Sachen Geschwindigkeit wird die meiste Zeit ausgesprochen scharf geschossen, Archgoat stellen jedoch mehr als einmal auch ihr ausgezeichnetes Gespür für stampfende Up- und Midtempoparts unter Beweis.
Wo also andere Vertreter des Genres ihren Satanismus mit vergeistigtem Mystizismus verzieren, fackelt "The Apocalyptic Triumphator" nicht lange und setzt das Opfermesser direkt an die Venen. Und diese rohe Brutalität ist es auch, die der Platte einen Extra-Preis in Sachen Authentizität einbringt. Sicherlich, die Vocals hätte man besser produzieren können und ja, einen Innovationspreis gewinnen Archgoat auch nicht - aber durch diese Geradlinigkeit wird umso deutlicher, was die Finnen eigentlich abliefern wollen: Absolut unerbittlichen Black Metal, der den Hörer mit seinem Fanatismus brandmarkt. Und genau das gelingt ihnen ohne jeden Zweifel.

8.5 /10

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Debemur Morti Productions

 

Nachtwall
11.06.2015