KALMANKANTAJA

Muinainen (CD 2015)


Mit depressivem Black Metal ist das ja immer so eine Sache... Denn vieles, was dieses Genre hervorbringt, ist entweder so miserabel produziert, dass es schon fast an selbstverletzendes Verhalten grenzt sich das freiwillig anzuhören, oder aber es ist schlichtweg so langweilig, dass selbst eine weiße Wand mehr Unterhaltungswert bietet. Aber siehe da, es geht auch anders, und die finnische Truppe Kalmankantaja zeigt wie. Prinzipiell ist es dabei kein nebulöses Hexenwerk, was das aktuelle Album "Muinainen" bietet, sondern vielmehr eine Kombination der klassischen Mittel, die melancholischen Black Metal ausmachen: Elegische Melodien, getragenes Tempo und verzweifelt krächzende Vocals. Und natürlich ebenfalls gerne gesehen: Gnadenlose Überlänge der Stücke. Dass in den 17 bzw. 16 Minuten der ersten beiden Lieder dennoch kaum Langeweile aufkommt, ist indes vor allem auf die verträumte Atmosphäre sowie die hohe Wertigkeit der einzelnen Riffs zurückzuführen.
Zugegeben, das Ausmaß an Variabilität hat tatsächlich seine Grenzen - manche Riffs der Auftaktnummer "Hautasaattue" wären beispielsweise mit ein paar Wiederholungen weniger auch gut ausgekommen. Und ja, das Schlagzeug kommt ebenfalls kaum aus seinem langsamen Trott raus. Dennoch gelingt es den beiden Finnen immer wieder, absolut großartige Momente zu erschaffen - vor allem das zweite Stück "Yön alttarilla" glänzt mit einer erhaben-schwermütigen Melodie nach der anderen. Grundlage dessen ist auch der lobenswerte Sound, der fernab von jeglicher künstlich erzwungenen Lautstärke einen sehr homogenen und bedachten Eindruck hinterlässt. Mit ihrer fast schon warmen Intonation bilden dabei die Rhythmusgitarren den Klangteppich, auf den sich immer wieder wie zarte Fäden die Saitenklänge der Leadklampfe legen. In Ausnahmefällen werden auch akustische Elemente eingebracht und verhelfen damit beispielsweise dem Finale von "Yön alttarilla" zu wahrer Größe. Gleichzeitig offenbart sich damit brachliegendes Potenzial; drängt sich angesichts solch ungeahnter Wohlklänge doch unweigerlich die Frage auf, warum man nicht noch häufiger auf Verzerrung verzichtet hat.
Wenn es nach mir ginge, könnte man auch auf Ambientstücke wie den dritten Titel des Albums verzichten. Aber gut, das ist erst recht persönlicher Geschmack und fällt wohl unter den Bereich "künstlerische Freiheit". Und nur mit dem Begriff "künstlerisch" wird man Kalmankantaja gerecht, denn die Finnen verzichten nahezu völlig darauf, irgendein ach-so-böses Image zu generieren, sondern konzentrieren sich auf das einzig Wichtige: Ihre Musik. Und diese Fokussierung auf das Wesentliche ist es auch, die "Muinainen" in jeder Sekunde ausstrahlt und damit zu einem absoluten Geheimtipp im Bereich des depressiven Black Metals macht.

7.5 /10

Official Website

Bandcamp

War Against Yourself Records

 

Nachtwall
19.08.2015


Redaktionsbewertung:
Erik 4 Nacht 7.5
Gesamtdurchschnitt: 5.8