WOLFSLAIR

Odin (DigiPak CD 2005)


Hmm, all meine Versuche, dieses Review zu eröffnen, münden in einem ausufernden Hämmern auf der Backspace-Taste. Nicht ungewöhnlich will man meinen, kommt eine Schreibblockade doch ab und zu mal vor, jedoch möchte ich zu meiner Verteidigung sagen, dass es die Herren von Wolfslair einem auch nicht sonderlich leicht machen mit ihrer Scheibe "Odin". So erschaffen die Dänen einen für ihre Ländereien recht untypischen Sound, welcher im Beiblatt als Mischung aus kanadischem Zeug à la Conqueror und Blasphemy mit alten Morbid Angel und Deicide, gewürzt mit einer Prise Nuclear Death angepriesen wird. Okay, ich hab' keinen Plan. Nicht wirklich, denn ich frage mich schon ein wenig, was das Ganze in den Händen eines Black Metal-Rezensenten zu suchen hat. Also mache ich mich auf die Suche nach schwarz-verwurzelten Anteilen im Klang von Wolfslairs "Odin".
Im Vorfeld kann ich bereits sagen, dass der gemeine (im Sinne von allgemein, gemein sind wir ja alle) Fan schwarzer Klangfarbe nicht wirklich fündig wird auf diesem Album. Wer sich nun lieber einer puristischeren Rezension zuwenden möchte, kann dies gern tun. Denn ungefähr ein Fünftel schwarzen Potentials muss sich gegen eine restliche Übermacht aus finsteren Todesbleistrukturen zur Wehr setzen. Gewitter und akustische Klampfen steigern sich in einen von schwarzen Schreien gesäumten Scheppersong feiner Machart. Die Gitarren sind für meinen Geschmack ein wenig zu tief angesiedelt und auch der Einsatz der Flageolett-Technik im Refrain lässt den Sound ein wenig von der normalen Kost abweichen. Das Drumming treibt voran und kesselt wüst und unerbittlich, das Zusammenspiel von Becken, Hi-Hat und Snare klingt jedoch oftmals zu eintönig, vor allem in den Knüppelparts. Im weitern Verlauf der Scheibe taucht ein zweiter Vokalmatador auf, welcher den Gesang auf tiefere Ebenen holt und ein besseres, wenn auch noch weniger Black Metal-lastiges Verhältnis zum Gesang aufbaut. Warum gerade solch ein Track "Odin" genannt wird, muss mir mal jemand erklären. Im Weiteren dominieren wüste Orgien scheppernden Todesmetalls, teils aufgelockert mit rhythmischen Moshparts und Gitarrensolos, die quietschende Flageolett-Spielweise kommt auch wieder zum Tragen, alles gewürzt mit minimalen Einsprengseln kehliger Gesangskunst. Selbige dominiert auch den vierten Track, der glücklicherweise mit melodie-lastigeren Gitarren ausgestattet ist, die jedoch im Mittelteil wieder in tiefes Rhythmusgeschrammel fallen. Der mittendrin auftauchende Soundeffekt eines zückenden Schwertes ist allerdings recht fein geworden, jedoch machen die Knüppelelemente langsam müde, meine Ohren schalten auf Durchzug und mein Hirn klinkt sich aus. Als danach noch die Bombe fällt und ein Vokalist versucht, die Stimme von Attila Csihar einfließen zu lassen, ist es entgültig vorbei.
Was bleibt ist eine seltsame Mischung von Gequietsche und Geschepper, gar fröhlich zu einem eigenen, mir aber unverständlichen Klangkuchen verbacken. Mir gefällt es eher weniger, aber das ist bekanntlich und glücklicherweise Geschmackssache; dann schon lieber Morbosidad.

3 /10

Ancient Darkness Productions

 

Sir ChristCrusher
14.11.2005