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Litauen und Metal scheint doch eine etwas eigenartige und merkwürdige, aber auch beachtliche Kombination zu sein,
die auf den ersten Blick zweifellos unantastbar wirkt. Aber dennoch existiert diese und das geradezu mit einem
schmeichelnden Flair an Prominenz, sind Obtest in ihrer Heimatszene doch schon lange kein unbeschriebenes Blatt
mehr, sondern eine förmliche Institution der baltischen Pagan/Black Metal-Gemeinde, die schon seit Jahren wie
genregleiche Bands, sprich Enslaved, Bathory, Skyforger oder Mithotyn, gefeiert werden. Mit "Iš Kartos Á Kartà"
präsentiert die Gruppe schließlich bereits das dritte Full-Length-Album und das mit einem gehörigen frischen und
lockeren Wind.
Als "Heathen War Heavy Metal" bezeichnet diese heidnische Brut ihren, zugegeben, recht eigenständigen Stil. Das mag
vielleicht sehr nett und ausgeschmückt klingen, für mich besteht da kein Zweifel, es handelt sich hierbei um sowohl
flotten als auch herben und schwarz angereicherten Pagan Metal, der sehr starke melodische Präferenzen aufweist und
mit einem standhaft belebenden Schuss Schwermetall aufwartet. Sozusagen liefern Obtest wahre Lobeshymnen an ihre
Ahnen, die mit hundertprozentiger Sicherheit das auch zu schätzen und genießen wissen, bieten die Jungs aus dem
kleinen Ländchen doch ein saftiges Package an Stimmungsböllern, die bei genauem Hinhören, da muss man allerdings
wirklich ganz stark ins Detail gehen, die einstigen Inspirationen der Band verraten, die grundsätzlich - man höre
und staune - aus dem zutiefst geschwärzten Black Metal Underground kommen. Trotz allem scheinen doch schnelle,
teils regelrecht gewagte, Melodiegänge und verständlich prägnantes Heavy Metal-Riffing primär im Vordergrund zu
stehen.
Auf dieser Basis setzt gut mitfühlende Percussionsarbeit ein (ein unangebrachtes Schlagwerk würde wohl die
Macht der vorhandenen musikalischen Magie zumindest um 50 % beschneiden), die von rasenden Blast-Anleihen bis zu
flüssigen, schwungvollen Mid-Tempo-Passagen reicht. Lediglich der Gesang entlarvt sich als höchst gewöhnungsbedürftig,
zum einen aufgrund der Verwendung der nationalen Landessprache, zum anderen wäre wohl die Bezeichnung "Saufkehlchen"
(nach ein paar Bierchen singt jeder so) am treffendsten. Dennoch sticht besonders für mich diese dauerhafte
Spielfreude, die wahrlich durch das gesamte Album fortwährt, heraus - direkt eine Seltenheit in den heutigen Tagen.
Derartige Klügeleien und Gedankengänge in einer Musik zu finden, motivieren sensationell und lassen den "Spirit",
der hier zwischen Tradition und Moderne angesiedelt ist, regelrecht methodisch und organisch aufleben. Zudem steht
die Scheibe auch produktionstechnisch den Rampenlichtkapellen in nichts nach, wurde dabei anscheinend viel Wert auf
Authentizität und überzeugende Ausdruckskraft gelegt. Also ein durch die Bank lineares germanisches Goldstückchen,
das weder zu schwammig-kitschig noch zu überphantastisch anmutet. |
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