TSJUDER

Norwegian Apocalypse - Oslo vs. Sandnes (DVD) (2006)


Die norwegischen Krawallmacher von Tsjuder geben sich die Ehre der Präsenz auf der modernen DVD-Technologie. Nach ihrem erfolgreichen letzten Album "Desert Northern Hell", welches in der Welt durchweg positives Feedback erhalten hat, schicken sich die drei Herren an, ihre Künste in Form von zwei Konzerten zu dokumentieren.
Dabei hat man sich auf eine gesunde Mischung von neuem und altem Material verlassen, denn auch die vorherigen Alben wissen zu überzeugen. Das letzte Album ist bis auf zwei Titel vollständig vertreten und vor allem zwei Coverversionen von Bathory, "Sacrifice" und "Born For Burning", lassen die Herzen höher schlagen, besonders da Letzteres auf keinem Album der Herrschaften zu finden ist. Abstriche muss man jedoch in Kauf nehmen, denn das Trio lässt in den Solopassagen den sägenden Gitarrensound unter dem Solo leider vermissen. Neu ist mir ebenfalls, dass Gitarrist Draugluin aktiv in die Vokalarbeit eingreift und seine Hausaufgaben auch hinter dem Mikro gemacht hat. Die mächtigen Schläge von Schlagzeuger Anti-Christian treiben den Klang von Tsjuder sahnig nach vorn.
Optisch kommt das Konzert stilecht daher. Die Jungs besitzen neben dem klassischen Corpse-Paint und Nagelarmbändern auch noch einen guten Geschmack für Bühnenbeleuchtung. Garstiges Grün wird von unten effektvoll auf die untoten Fratzen der Norweger geleitet, ein höllisches Rot taucht die gesamte Bühne in ein perfektes Abbild des Tores zur Hölle. Gepaart mit einer guten Portion Funeral Fog macht das alles ordentlich was her und bringt metallenes Wohlgefallen in die heimischen Wohnzimmer. Mit dem Schlagzeug kombinierte Bildwackler und die Benutzung von durch Linien unterbrochenen Bildern ("interlaced" kommt wohl am ehesten an die Beschreibung heran) nervte mich persönlich nicht.
Zwei Probleme hat die DVD jedoch: Zum einen wartet der Sound mit einem solchen auf. Bieten die meisten DVDs mehrere Tonspuren, so befindet sich auf Tsjuders Werk lediglich eine einzige Tonspur, und zwar keine geringere als Dolby Digital 5.1.. Solange man im Besitz einer adäquaten Anlage ist, mag das ja ganz schön sein, wenn ich jedoch den Silberling in meinen Player schiebe, der an einen handelsüblichen Stereofernseher angeschlossen ist, dann sinkt bei Dolby Digital 5.1 der Spaßfaktor ziemlich schnell. Erst nachdem das Gerät in allen möglichen Einstellungen ausgetrickst wurde, war der Klang einigermaßen akzeptabel. Nebenbei bemerkt möchte ich den Sinn einer Kombination von traditionellem Black Metal, der sich nicht gerade durch vertrackte Raum-Sound-Konfigurationen auszeichnet, und dem digitalen Raumklang in Frage stellen. Vielleicht kann das Material in DD 5.1 ja aber auch überzeugen, und ich irre mich hier gewaltig.
Zum anderen befinden sich neben den zwei Konzerten keine weiteren Add-Ons auf dem Silberling. Vielleicht könnte man den Gastauftritt von Carpathian Forests Oberbauch Vrangsinn bei einem der Titel als solchen ins Feld führen. Wenigstens gibt es bis auf zwei Titel keine Überschneidungen in der Tracklist, sodass sich die Konzerte beide durchaus lohnen. Wem die normale DVD nicht genügt, der kann versuchen eine Metalpak-Version zu erstehen. Optisch macht sich wohl beides gut im Schrank und ein den Nordmännern gewogener Fan wird sich dadurch mit einem weinenden Auge an Auftritte in Deutschland erinnern, als man Nattefrost und Co. tierisch den Rang abgelaufen hat.

6.5 /10

Official Website

Season of Mist

 

Sir ChristCrusher
19.11.2006


Redaktionsbewertung:
odium 6 Sir ChristCrusher 6.5
Gesamtdurchschnitt: 6.3