KULT OV AZAZEL

Destroying the Sacred (CD 2009)


Zu Beginn möchte ich meinen Kollegen Erik aus seiner Rezension zu Kult Ov Azazels "Oculus Infernum" zitieren: "Wenn aber ständig nur geprügelt wird [...] geht einiges an Wirkung verloren, denn dummerweise können die Gitarren diesem Inferno nicht standhalten und produzieren das eine oder andere halbgare Riff. Dazu passt, dass KoA paradoxerweise am besten sind, wenn sie das Tempo etwas zurücknehmen. Dann nämlich sind die Riffs interessanter, das Schlagzeug abwechslungsreicher und die Stücke insgesamt wirkungsvoller." So, und damit könnte auch dieser Artikel schon wieder zu Ende sein, denn haargenau dasselbe lässt sich auch über das aktuelle Werk "Destroying The Sacred" behaupten. Obwohl seit "Oculus Infernum" ganze sechs Jahre und ein weiterer Nachfolger ins Land gegangen sind, scheint nämlich im Kult Ov Azazel'schen Schwarzmetalllehrbuch nach wie vor die wichtigste Lektion zu lauten: Ein Album ist erst dann Black Metal, wenn die Hälfte der Spielzeit gnadenlos geballert wird! Und zugegebenermaßen: Auf völlig verlorenem Posten stehen die drei Düsterheimer aus Florida damit auch nicht, denn der Drummer beherrscht sein Instrument vorzüglich und rauscht mit einem Höllentempo durch die Lieder, dass man meinen könnte, ein Epileptiker auf Speed sitze an den Stöcken. Die Doublebass ist manchmal mit einer dermaßenen Geschwindigkeit unterwegs, dass man schon nicht mehr von "knüppeln" sondern eher von "kratzen" sprechen sollte. So kommt es, dass "Destroying The Sacred" einen bei der Erstbegegnung ziemlich überrollt – die Lieder beginnen so abrupt wie sie enden und die Stakkato-Attacken des Schlagzeugers putzen das Gehör derart durch, dass man sich glatt den Gang zum Ohrenarzt sparen kann. Das Gepolter gewinnt dabei bisweilen so sehr die Überhand, dass der Eindruck entsteht, nicht die Gitarre, sondern das Schlagzeug spielt die erste Geige. Erschwerend hinzu kommt: So manches Riff klingt wie aus der Konserve und geht dann erst recht zwischen all dem Geballer heillos unter.
Aber zum Glück – und damit wären wir wieder bei eingangs erwähntem Zitat – wagt sich die Satanistentruppe auch mal in "gemächlichere" Gefilde und läuft damit im Vergleich zu den ordentlichen Knüppeltracks erst zu wahrer Höchstform auf. Als Beispiel sei an dieser Stelle "Slaughter The Prophets" genannt, bei dem sich die Band sogar mal die Zeit nimmt, das Lied aufzubauen und nicht gleich mit der Blastbeat-Tür ins Haus zu fallen. Und siehe da: Die Riffs kommen gleich viel besser zur Geltung, das Drumming haut mehr rein und sogar die Vocals klingen intensiver. Dass das längst kein Einzelfall ist, zeigen auch "Conquer & Decimate", "Ancient Evil" sowie der fulminante Titeltrack. Positiver Nebeneffekt: Aus dem zuvor bisweilen noch uninspiriertem Klampfengeschrammel, das allzu oft irgendwo zwischen Doublebass und Snare kaputtgekloppt wird, entstehen sägende Riffs und düstere, stimmungsvolle Gitarrenläufe.
Einfach gesagt lässt sich das Liedgut also in zwei Lager aufteilen: Da wären auf der einen Seite die brutalen Vorzeigeknüppeltracks, mit deren Brachialität sich problemlos ganze Landstriche entvölkern ließen und welche mal zwischen halbwegs wirkungsvoll ("Nocturnal Blasphemy", "Gutting Religious Heritage") und dezent überflüssig ("Storm The Gates", "Plague Of Humanity") schwanken. Und auf der anderen Seite wären da die erwähnten wirklich gelungenen Midtempo-Nummern, mit denen die Band über ihr übliches Schema hinauswächst und einige wirklich atmosphärische Hassbrocken hervorbringt. Und wenn Kult Ov Azazel sich an diesem Punkt mal selber durchschauen und noch öfter vom obligatorischen Dauergeblaste absehen würden, wären die Voraussetzungen für ein Kracheralbum in jedem Fall gegeben.

7 /10

Official Website

Arctic Music Group

 

Nachtwall
04.08.2009


Redaktionsbewertung:
Erik 5 Nacht 7
Gesamtdurchschnitt: 6