|
Ein schlichtes umgedrehtes Kreuz in den norwegischen Landesfarben auf dem Cover - große Preisfrage: Welcher musikalischen Richtung wird da wohl gefrönt? Sagen wir es mal so: Es handelt sich nicht um "True Bavarian Black Metal" wie ihn Herr Kanwulf seit Neuestem stellenweise zelebriert, sondern eher um die klassische, norwegische Ausgabe - jedoch im Modell mit Bremskraftverstärker. Brutaler Stakkato-Frostbeschuss von Seiten der Gitarren bleibt bei Stridsmenn nämlich aus, stattdessen rauschen die Sechssaiter bis auf ein paar Ausnahmen eher gemächlich vor sich hin. Und nein, dahinter verbirgt sich keine versteckte Kritik, denn dieser Umstand mindert die Qualität des Gebotenen in keinster Weise - lediglich die Zugänglichkeit hat darunter etwas zu leiden.
Wer es kurz und bündig mag, kann eigentlich gleich zu den beiden Liedern "Sortsorg Vinters Skjebne" und "Onskapen Selv" vorspringen und bekommt damit schon so gut wie alles um die Ohren gehauen, was das Soloprojekt aus dem hohen Norden ausmacht - und zwar sowohl die erfreulichen, als auch die weniger erfreulichen Aspekte. "Sortsorg Vinters Skjebne" beispielsweise lässt mit eisigen Riffs die gefühlte Raumtemperatur erstmal um 15 Grad sinken und entführt den Hörer mit hypnotisierenden (im positiven Sinne!) Klängen auf eine tranceartige Winterwanderung. Nach einem Umweg durch schneidende, dissonante Gefilde packen Stridsmenn in den Schlusssekunden sogar noch die Groovekeule aus. Ein Schuss in den Ofen ist hingegen das darauffolgende "Onskapen Selv" - da werden vier Minuten lang erschreckend unaufregende Riffs verbraten, die sich auch noch am ewiggleichen lahmen Schlagzeuggeklopfe das Genick brechen. Zu gefallen weiß die Nummer erst, nachdem die Stromgitarren endlich Ruhe gegeben haben und die letzten zweieinhalb Minuten von einem melancholischen Akustikpart mit dem gewissen Etwas an Lagerfeuerflair beschlossen werden.
Dass sich im Hause Stridsmenn mit ausladenderen Stücken auch schwarzmetallisch deutlich Beeindruckenderes anstellen lässt, beweist das über zehn Minuten lange "Dod". Der Titel deutet es bereits an: Um eine Lobeshymne auf saftige Wiesen und darüber hoppelnde Häschen handelt es sich hier nur im entferntesten Sinne. Und so fügt sich das gedrosselte Tempo perfekt in das Konzept des Liedes, welches mit gewohnt guter Riffkost für eine unterkühlte Stimmung sorgt, während Arnjeirs Stimme durch den Äther hallt. Richtig ergreifend wird es allerdings erst mit dem im akustisch gehaltenen Mittelteil. Verträumte Melodien, untermalt von einigen verzerrten Saitenklängen und choralartigen Gesängen, lassen den Blick in die Ferne schweifen und den Melatoninspiegel in die Höhe schnellen. Sehr positiv auch hier zu bewerten: Der Bass ist nicht nur im Hintergrund herumstolperndes Beiwerk sondern deutlich wahrnehmbar.
Schade nur, dass das nicht wirklich auf das Schlagzeug zutrifft, denn das gibt sich für meinen Geschmack viel zu kleinlaut. Etwas mehr Pfeffer im Hintern hätte da wahre Wunder gewirkt, denn gerade den direkteren und groovigeren Momenten würde eine Extra-Portion Aggressivität sicher gut zu Gesicht stehen. Schon alleine deshalb, um die Platte aus ihrer gelegentlichen Emotionslosigkeit herauszuholen und ihr das zu verpassen, was Stridsmenn in dieser Form noch zu häufig fehlt: Markante Höhepunkte. Mehr Ecken und Kanten, mehr Eindringlichkeit, mehr Gänsehaut-Momente - das sind die Zutaten, die aus der alles in allem gelungenen Black-Metal-Kost ein schwarzes Meisterwerk gemacht hätten und deren Absenz den Sprung in höchste Wertungsweihen verhindern. |
|