SIDUS TENEBRARUM

Born From The Dark Rib (CD 2009)


"Ach wie süß, noch so ein Haufen Pseudo-Bösewichter, die gerade mal wissen, wie man eine Gitarre richtig rum hält..." Das in etwa waren meine Gedanken, als ich die dezent einfallslosen Liedtitel der vorliegenden Platte gelesen habe und mir dann zu allem Übel auch noch ein Bild der vier halbstarken Südländer in die Hände gefallen ist. Aber wehe, wenn man sich dann doch auf das Wesentliche - die Musik - konzentriert, denn mit dem Einstiegstitel "Excerpts Of Fury" ballern die Italiener ohne mit der Wimper zu zucken gleich mal ein ziemlich amtliches Brett durch die Lautsprecher. Rasender Blastbeat, schreddernde Gitarren - also alles in bekannter Manier? Nicht ganz, denn wer noch ein bisschen länger dran bleibt, wird schnell merken, dass er sich mit "Born From The Dark Rib" einen hausgemachten Black/Thrash-Bastard in die Anlage geholt hat. Oder andersrum gesagt: Wenn da nicht gelegentlich dieser fiese, kleine Giftzwerg so gemeingefährlich im Black-Metal-Stil rumkeifen würde, könnte man sich manchmal zu Recht fragen, was in Dreiteufelsnamen eine Besprechung dieser Scheibe auf einer Schwarzmetallseite verloren hat.
Doch so überraschend positiv der Einstieg auch zu gefallen weiß - schon bald klopft die unausweichliche Frage "Kann der Rest halten, was der Opener verspricht?" am Türchen und damit wären wir auch schon beim Casus Knaxus angelangt, denn genau an diesem Punkt gerät das Quartett ins Stolpern. Wo es nämlich gut gemachtem Black Metal gelingt sich atmosphärisch vom Begriff der "Musik" zu lösen, erden sich Sidus Tenebrarum durch den prägnanten Thrasheinfluss quasi selber und müssen sich unvermeidlich an greifbaren Eckpunkten wie Riffqualität und Abwechslung im Songwriting messen lassen. Und gerade ersteres Kriterium hängt desöfteren wie ein Damoklesschwert über den Liedern - im Falle von "When Mind Collapses" und "Vril" geht das Hazardspiel noch gut, "Nothing Foreign" und "Lord Of The Night" würden im Falle des Falles allerdings locker einen Kopf kürzer gemacht. Entweder die Hauptriffs zünden und reißen den Hörer mit oder ... sie tun es eben nicht. Gerade dann macht sich umso schmerzlicher bemerkbar, wie chaotisch und irreführend die Lieder teilweise aufgebaut sind und dass sich der Tiefgang des Materials in etwa mit dem einer Pizza vergleichen lässt. Für subtile Melodien oder versteckte Details war bei all dem Gedresche wohl einfach kein Platz mehr.
Was man den Kollegen aus dem Süden jedoch lassen muss, ist, dass ihr Werk in sich homogen wirkt. Die Waagschale mag zwar manchmal doch arg in Richtung Thrash ausschlagen, dennoch ergeben die beiden Stile im Falle von Sidus Tenebrarum eine gesunde Einheit und keinen zusammengewürfelten Riffbrei. Aber auch wenn eine gewisse Ohrwurmqualität nicht von der Hand zu weisen ist, bietet "Born From The Dark Rib" mir aufs Ganze gesehen dann doch zu viel "Links rein, rechts raus". Festzustellen bleibt schließlich, dass es sich hier um ein ordentliches Debütalbum handelt, das im Endeffekt jedoch leider zu wenig Tiefe und Nachhaltigkeit auffährt.

5.5 /10

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Suffering Jesus

 

Nachtwall
14.10.2009