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Wie bitte? Eine französische Band, die nicht vor urbaner Depression trieft und ihre Cover mit den üblichen schnörkeligen Hinschmierlogos zupappt? Das soll's noch geben? Nun, wie es aussieht durchaus - das Ganze hört im konkreten Fall auf den Namen Belenos, hat schon ein paar Jahre auf dem Buckel und nun sein Erstlingswerk neu eingespielt. Aber um ehrlich zu sein, möchte ich dann nicht unbedingt wissen, wie das Original geklungen hat, denn auch in der frisch aufgelegten Fassung klingt "Errances Oniriques" manchmal ganz schön wischi-waschi. Das Schlagwerk hat bisweilen einen etwas eigenwilligen Klang, und über dem ganzen Soundgewand hat sich ein leicht rauschiger Nebel breit gemacht. Ok, wers undergroundig mag, wird daran seinen Gefallen finden - im Sinne der Musik wäre etwas mehr Transparenz dennoch dienlich gewesen. Denn an Inhalten läuft das Gebotene geradezu über - nur diese auch zu erfassen, lässt das einstmalige Debüt des Ein-Mann-Projektes aufgrund des tendenziell undurchsichtigen Klangs zu einem bisweilen anstrengendem "Hörvergnügen" mutieren. Wirklich zur Entfaltung kommen die Stücke erst nach mehreren Durchläufen - der wohlmeinende Teil in mir nennt das "Tiefgang", für den meckerfreudigeren läuft das eher unter der Bezeichnung "chaotisches Songwriting".
Zu behaupten dass Mastermind Loic Cellier während der Aufnahmen seine kreativen fünf Minuten hatte, wäre rein zeitlich gesehen eine grobe Untertreibung. Ob nun klirrende Tremoloriffs, gekonnte Disharmonien, episch-melancholische Melodien oder überzeugende Ausflüge in den Akustikbereich - wer sein Metall nicht nur wie seinen allmorgendlichen Kaffee, sondern auch wie ein Fünf-Gänge-Menü mag, bekommt bei Belenos einiges auf die Düster-Speisekarte geklatscht. Am Anfang des Titels "Morfondu" meinen meine Black-Metal-geschädigten Lauscher sogar Tapping ausmachen zu können - ganz zu schweigen davon, dass die Gitarren gerne auch mal zweistimmig unterwegs sind. Mit dem vorliegenden Material hätten andere Bands locker zwei Scheiben gefüllt. Und ganz unter uns: Manchmal wünscht man sich, dass dem auch tatsächlich so wäre. Musikalischer Einfallsreichtum in allen Ehren, aber "Errances Oniriques" tönt mehr als einmal reichlich überladen. Kaum krallt sich ein Riff mal im Gehör fest, bläst der Franzose schon zur nächsten Runde und ballert einem die nächste Idee entgegen.
Wo wir gerade beim Thema "Ballern" sind: Am Sechssaiter hat der nette Herr aus dem Land der Kfz-Adventskränze ja nun wirklich einiges auf der Pfanne; an den Fellen stapft er allerdings einen Ticken zu oft in das Fettnäpfchen des sinnlosen Geprügels. Zugegeben: Was das angeht, ist Black Metal ein Fettnäpfchen-Minenfeld, aber für mich klingen die Schießbudenattacken auf "Errances Oniriques" gelegentlich nach einem reichlich misslungenem Versuch, partielle Einfallslosigkeit zu kaschieren. Das wird auch daran deutlich, dass es manche Schlagzeugrhythmen geschafft haben, sich in gleicher Form mehr als einmal auf der Scheibe zu verewigen. Und das wiederum will nicht so recht ins Gesamtbild passen, denn in Sachen Abwechslung lassen Belenos ansonsten ordentlich die Schwarte krachen. Und wer mit Geduld an die Sache rangeht, wird auch mit einer musikalisch durchaus hochwertigen Erfahrung belohnt, die höchstens dadurch geschmälert wird, dass die Lieder zu vollgepackt sind und manchen Riffs deutlich mehr Raum zur Entfaltung hätte eingeräumt werden sollen. |
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