FLUORYNE

Dämmerung (CD 2009)


Die Grabnebelfürsten streichen die Segel, doch um den etwas anderen BM muss man sich trotzdem keine Sorgen machen. Dafür sorgt neben vielen anderen auch Sturm Deiner Winter selbst, der neben verschiedenen musikalischen Projekten mit Lost Souls Graveyard ein kleines Label betreibt. Der Laden hat die letzten paar Jahre offenbar mehr oder weniger im Dornröschenschlaf verbracht, scheint jetzt aber wieder zum Leben zu erwachen und beglückt uns in diesen Wochen gleich mit zwei Veröffentlichungen. Auf das eher gewöhnungsbedürftige (ja, das ist ein Euphemismus) Kammerspiel will ich hier allerdings nicht weiter eingehen, sondern mich Fluoryne zuwenden. Dieses Projekt unter der Federführung eines gewissen Falk ist vor vier Jahren bereits mit einem gar nicht so beschissenen Demo positiv aufgefallen und legt nun endlich sein offizielles Debüt vor.
"Dämmerung" ist, so weiss der Promotext zu berichten, eine "musikalische Annäherungen an die Lyrik des deutschen Expressionismus", aber da ich ein Kunstbanause bin, ist mir das natürlich mehr oder weniger piepegal. Ich konzentriere mich lieber darauf, was "Morgens", das erste Stück der Scheibe, musikalisch zu bieten hat. Und das ist eine ganze Menge: moderner, treibender Black Metal, elektronische Beats (die ich nicht näher verschubladisieren will, da bin ich auch ein Banause), Klargesang. Leider ist das Stück für meinen Geschmack etwas zu zerfahren, da läuft trotz guter Zutaten nichts so richtig zusammen. Auch das folgende "Fern" haut mich nicht unbedingt aus den Socken. Fast komplett metallfrei, ist das Ding eher eine atmosphärische Fingerübung als ein richtiges Lied. Immerhin fällt mir jetzt aber auf, dass ich den allzu barocken Klargesang nicht sonderlich mag, der beisst sich für meinen Geschmack mit der modern-unterkühlten Stimmung, die das Album generell ausstrahlt.
Schon eine Viertelstunde rum, noch nicht begeistert, langsam kommen mir Zweifel, ob ich als doofer Metaller dem hier Gebotenen schlicht nicht gewachsen bin. Doch jetzt endlich geht der Panzerkreuzer Fluoryne auf Feindfahrt und auch ich komme auf meine Kosten. "Unwetter" ist ein unglaublich mächtiges Stück BM und qualitativ sicher dazu imstande, die eine oder andere Galeere zu versenken. Langsam nimmt das Lied Fahrt auf, es gibt eine singende Leadgitarre über gewaltig grollendem Fundament, dazu dezente, aber wirkungsvolle Spielereien. Das "Unwetter" bahnt sich unaufhaltsam seinen Weg; eine Komposition wie aus einem Guss, die über die gesamten fast zehn Minuten spannend bleibt. Was für eine Göttergabe!
Danach geht es ansprechend weiter, "De Profundis" etwa überzeugt mit einem beinahe schon traditionellen BM-Finale mit auffälligem Bass. Bleibt unterm Strich also ein etwas zwiespältiges Bild. Einerseits ist "Unwetter" ein ziemlich grossartiges Stück BM, das man ruhig mal gehört haben darf, andererseits leidet das erste Drittel des Albums unter gewissen Längen, die es schwer machen, eine unbedingte Empfehlung auszusprechen. Auf jeden Fall aber ist Fluoryne ein Projekt, das man im Auge behalten sollte. Mit ein bisschen Glück wird schon der nächste Versuch ein ganz grosser Wurf.

7 /10

Official Website

Lost Souls Graveyard

 

Erik
16.12.2009