KRALLICE

Dimensional Bleedthrough (CD 2009)


Irgendwas muss ich verpasst haben. Haben Krallice irgendein Verbrechen begangen, das die völlige Gleichgültigkeit des BM-Publikums rechtfertigt? Nicht mal Velvet Cacoon werden dermassen ignoriert, und die hätten's nun wirklich verdient! "Dimensional Bleedthrough" jedoch ist schon vor Monaten erschienen - und niemanden scheint es zu interessieren. Woran liegt's?
Nun, ganz sicher nicht am Album selbst, zumindest nicht in meinen Ohren. Zugegeben, an die Klanglandschaften, die Krallice fabrizieren, muss man sich unter Umständen ein bisschen gewöhnen. Das endlose Tremologefiepe der Amis ist bei der ersten Bekanntschaft nicht unbedingt leicht verdaulich. Andererseits macht die Band es dem Hörer ziemlich einfach, indem sie mit dem Titelstück ihr Zweitwerk einläutet. "Dimensional Bleedthrough" nämlich ist ein Lied, das neben allerlei frickeligem Sechssaitergepfeife einen gewaltigen Spannungsbogen und einen mächtigen melodischen Höhepunkt bietet. Trotz Überlänge und Instrumentalakrobatik ist dieser Auftakt ein ziemlicher Hit und letztendlich sogar recht eingängig.
Das Gleiche kann man, mit ein bisschen Eingewöhnung, auch vom Album insgesamt behaupten. Sicher, die Scheibe ist hyperventilierend intensiv, lässt "Satanic Art" entspannend wirken und VBE alltäglich klingen, doch der hochtönende Sturm, den Krallice entfesseln, beinhaltet spannend-vertrackte Kompositionen mit deutlichem Hang zum epischen Format, die sich immer wieder in grossartigen Ohrgasmen (einen Groschen ins Phrasenschwein) entladen.
"Dimensional Bleedthrough" ist, und das mag die Zurückhaltung des Publikums zum Teil erklären, auf andere Weise unzugänglich als "normalere" BM-Alben. Die Scheibe ist es aber in jeder Hinsicht wert, seine Hörgewohnheiten zumindest ein kleines Bisschen herauszufordern.

9 /10

Official Website

Profound Lore Records

 

Erik
18.02.2010