OBSCURYS

Diary Of My Untold Apocalypse (CD 2010)


Panik. Gestern war doch noch 2010, oder? Alles nur geträumt? Wie bin ich denn auf einmal im Jahre 1998 gelandet? Schnell die Tageszeitung gesucht, huh, nochmal Glück gehabt, wir schreiben tatsächlich das Jahr 2010. Fehl am Platze sind nur Obscurys, die irgendein Dämon aus der Endneunzigerhölle des allerschlimmsten deutschen BM in die Jetztzeit entsandt hat. Ganz schön fies.
Oder sehr humorvoll, denn rein klangtechnisch geht "Diary Of My Untold Apocalypse" glatt als Parodie durch. Diese extrem dünn surrenden Säuselgitarren, der tackernde Stromtrommler, der sehr gequält wirkende, schlappe Gesang, schlicht dieser Gesamteindruck geballter Kraftlosigkeit, und dazu dann Textzeilen wie "Macht und Dominanz" - ganz ehrlich, das kann doch gar nicht ernst gemeint sein, oder?
Nun, Scherz oder nicht, fest steht, dass sowas wie Obscurys damals nicht mal bei Lastblackepisodetaphattakk eine Chance gehabt hätte. Und das will wirklich was heissen! Selbst wenn man über die "Produktion" hinweghören wollte (und könnte), muss man festhalten, dass "Diary Of My Untold Apocalypse" einfach ein ziemlich belangloser Mix aus Black und Death Metal ist, mal Belphegor für ganz ganz ganz ganz Arme ("Pest Swarm"), mal gothisch angehauchte Ohrenfolter (der Anfang von "How To Catch An [sic!] Virgin Angel" - wissen die nicht, dass Engel geschlechtslos sind?). Irgendwo melodisch wirkt das Ganze, allerdings bin ich mir nicht völlig sicher, ob das tatsächlich der Musik oder doch eher der dünnen Verrauschtheit des Materials zu verdanken ist; wahrscheinlich beides ein bisschen.
Zugegeben, ohne die bodenlos schlechte Aufnahmequalität wäre "Diary Of My Untold Apocalypse" ein belangloses Scheibchen, für das man sich mit Gewalt eine drei-Punkte-Kritik aus den Rippen leiern müsste. In seiner tatsächlichen Form ist das Album natürlich keinen Deut besser, aber immerhin ist es amüsanter.

1 /10

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Erik
31.03.2010