FREITOD

Nebel der Erinnerungen (CD/LP 2010)


"Nebel der Erinnerungen" ist eine ziemliche Mogelpackung, das muss man einfach so direkt sagen. Gerade mal zehn Minuten neuen Materials haben ihren Weg auf dieses "Debüt" gefunden, der Rest stammt von den beiden Demos der Band, wobei die Lieder im Laufe ihres Recyclings natürlich aufpoliert wurden. Nun ist ja Wiederverwertung auch im BM schwer in Mode, aber die Freitod-Methode erinnert dann doch zu sehr an alte NB-Sünden, als dass ich damit sonderlich glücklich sein könnte. Es wird praktisch die komplette Liste der Dinge abgearbeitet, die mich an Wiederveröffentlichungen allgemein stören: mehrere Originalveröffentlichungen, Veränderungen an der Aufnahme/Produktion, neues Zeug als Dreingabe. Völlig unverständlich ist mir derlei vor allem deshalb, weil man damit in erster Linie die Anhänger der ersten Stunde vor den Kopf stösst.
Doch egal, mein Kopf ist das nicht, also genug gejammert und sich der Musik zugewandt! Diese ist in der Hauptsache getragener Black Metal, bei dem höchstens mal stramm marschiert, aber eigentlich nie gelaufen wird. Die Hauptrolle spielen ganz klar die Gitarren, die immer wieder mit schwermütigen Melodien ins Zentrum des Geschehens drängen. Durchaus stimmungsvoll ist das Ganze, allerdings fehlen mir die unwiderstehlichen Gänsehautmomente. Bei zwei Lieders gibt's Klargesang zu bewundern, mit dem ich jedoch nicht recht warm werden will, denn für meinen Geschmack schlägt die Stimmung dann stets von Schwermut in Weinerlichkeit um. Wahrscheinlich habe ich einfach keine ausreichend gotische Ader, um dem textlichen Gejammer etwas abgewinnen zu können.
"Nebel der Erinnerungen" ist ein Album, das mir stilistisch grösstenteils durchaus zusagt, welches in seiner höhepunktfreien Art aber einfach zu harmlos wirkt. Mir fehlt ein bisschen die Leidenschaft. Positiv ist sicher zu werten, dass die Scheibe trotz ihres zusammengestückelten Charakters tatsächlich als Einheit wirkt. Das bedeutet natürlich auch, dass sich die Band über die Jahre nicht grossartig entwickelt hat. Für die Zukunft lässt das keine Euphorie aufkommen, aber das erste richtige Album der Band werde ich mir sicher noch zu Gemüte führen, bevor ich Freitod endgültig aburteile.

5 /10

Ván

 

Erik
08.04.2010