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Herrschaftszeiten, dieser Kopierschutzwahn treibt auch immer seltsamere Auswüchse... Da
schneit mir eines Tages "All Hail The Cult" in den Briefkasten und ich darf beim
Reinhören schon mal voller Freude feststellen, dass der Vertrieb für die bösen Menschen
von der Presse sämtliche Lieder zu jeder vollen Minute mit ein paar Sekunden weißen
Rauschens "veredelt" hat. Früher reichte es für eine schlechte Bewertung noch, wenn das
Album einfach mies war, heute lässt man sich da offenkundig schon deutlich mehr
einfallen... Wenigstens hat man sich noch um die Gesundheit der Rezensenten gesorgt und
die Promoscheibe mit dem freundlichen Hinweis versehen, die vorliegende CD doch bitte
nicht zu laut zu hören, das weiße Rauschen könnte ja sonst zu Hörschäden führen. Mensch,
da scheinen ja ein paar wahre Philanthropen am Werk gewesen zu sein... Sei es nun, weil
man das Wohlbefinden der verehrten Kritiker trotzdem noch ernsthaft in Gefahr wähnte oder
sich der Lächerlichkeit der eigenen Maßnahmen irgendwie doch bewusst wurde: Wenig später
traf eine weitere, überarbeitete CD ein - natürlich mit neuem Kopierschutz! Dieses Mal
werden nämlich statt penetrantem weißem Rauschen zur Hälfte jedes Liedes ein paar
abgehackte Verzerreffekte eingespielt. Welch Verbesserung! Also mal ehrlich, das ist
doch, als wenn ein Arzt zu einem Patienten mit der Diagnose "Krebs im Endstadium" sagt:
"Oh, das tut mir jetzt aber leid, wir haben uns geirrt... Sie haben ja doch nur AIDS!"
Nun ja, genug genölt, wenigstens ist die aktuellere Version von "All Hail The Cult" damit
der Anhörbarkeit ein kleines Stück näher gekommen. Und was meine Akustikluken da so
erreicht, weiß durchaus zu gefallen. Schön dreckig poltern Amystery in feinster
Old-School-Laune durch sieben Stücke und versprühen dabei einen rotzigen Charme irgendwo
zwischen ultra-trver Evilness und zünftiger "Fuck Off!"-Attitüde.
Dass man dem nettem Herrn mit den zwei Hörnern aufm Kopp frönt, dürfte schon nach einem
kurzem Blick aufs Cover keine allzu große Überraschung mehr sein - und in bester
Teufelsanbetertradition sägen sich auch die Gitarren durchs Liedgut. Das Rad erfinden
Amystery dabei jedoch leider alles andere als neu, großartige kreative Erleuchtungen sind
in etwa so selten zu finden wie das "Ave Maria" auf Schwarzen Messen. Aber stellenweise
bin ich fast schon geneigt zu sagen, dass mich das auch nicht sonderlich kümmert, denn
mit dem beständigen Wechsel zwischen knallhartem Geknüppel und wuchtigen
Midtempo-Passagen fährt der Satanshaufen doch ganz annehmlich. Zumindest meistens, denn
das Titelstück krankt leider an etwas holprigen Übergängen - wie mans besser macht, zeigt
der Opener "Arrival Of The Prophets". Das langsame, fast schon majestätische Intro leitet
über in einen drückenden Blastbeat, bevor die Sau nicht mehr gar so rasend durchs Dorf
getrieben wird und man gepflegt die Matte schwingen darf. Was im Rest der Nummer
passiert, ist jedoch leider etwas symptomatisch für die gesamte Scheibe: Es wird gerne
mal geballert, geballert und nochmal geballert.
Nicht, dass ich damit generell ein Problem hätte, nur sind aufälligerweise genau das
meistens die Momente, in denen meine Lauscher leise "Gute Nacht" sagen. Da kommt ja auch
so gut wie nichts, wofür sich die Aufmerksamkeit lohnen würde, denn die Riffs sind
entweder zu lahmarschig oder gehen schlichtweg im Dauergebolze unter. Umso mehr lockern
die langsameren Abschnitte das musikalische Geschehen auf, denn hier demonstrieren
Amystery erst ihre wahren Stärken. Dann stellt sich auch heraus, wie angenehm schneidend
die Sechssaiter zugange sind und wieviel Dampf der Herr am Schlagzeug mit seiner
Doublebase tatsächlich machen kann.
Was "All Hail The Cult" dann aber doch zu sehr abgeht, ist der Tiefgang. Als solides Old
School-Brett hat die Scheibe ja sicher ihre Qualitäten; dass sie dabei aber immer wieder
so trocken und höhepunktarm daherkommen muss, geht mir bisweilen dezent auf den Senkel.
Spontan fällt mir jedenfalls kaum etwas ein, wodurch Amystery sich von der Flut an
Neuerscheinungen abheben könnten. Wütende Riffs mit rüdem Dauergebolze? Ok, geschenkt,
aber eigentlich haben wir das doch schon tausend Mal gehört und von Bands wie Funeral
Mist auch noch um Längen besser. Am ehesten wäre ich aufgrund der angesprochenen guten
Phasen bereit der Platte eine Position im oberen Mittelfeld einzuräumen. Wenn es mit dem
nächsten Silberling mehr werden soll, muss bitteschön noch irgendwas her, das mir als
Hörer ohne Wenn und Aber die pechschwarzen Socken auszieht. In der jetzigen Form können
Amystery zwar vieles - sei es nun Geblaste, Midtempo oder dissonante Riffs - aber leider
nichts so herausragend, als dass es einer besonderen Erwähnung bedürfte. |
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