BENIGHTED

Demo/Promo 2010 (2-CD-R 2010)


Was ist denn das für eine S.... Nein, das kann nicht sein. Ist das die gleiche Band, die 2003 das ziemlich gute "Heljarför"-Demo rausgebracht hat und auch zwei Jahre später mit "Avgrundshjärta" überzeugen konnte? Die gleiche Truppe, die ich mal für eine schwedische BM-Hoffnung hielt? Benighteds gibt's wie Sand am Meer, vielleicht ja einer der Namensvetter? Hm, das Logo stimmt... ob mir meine Erinnerung einen Streich spielt und Benighted schon immer schrecklich waren? Nichts wie die alten Demos rausgekramt: Nö, das klingt auch mit einigen Jahren Abstand noch ziemlich ordentlich. Was also ist passiert?
Nun, das ehemalige Duo ist auf ein Soloprojekt geschrumpft und macht Musik heutzutage, um es in den Worten von Alleinunterhalter Aho auszudrücken, "in a sort of... slightly different way." Der Euphemismus des Jahres! Benighted 2010 haben mit Benighted 2003 ausser dem Namen nichts gemein, musikalisch nicht und qualitativ leider auch nicht. In ihren besten Momenten bieten diese neuen Aufnahmen flachen, wenn auch durchaus eingängigen Depri-BM, dem das Feuer der Demos völlig abgeht. Darüber hinaus gibt es viel bluesig gemeintes Hardrockgegniedel, das in den Achtzigern gut in irgendwelche Softpornostreifen gepasst hätte, und mehr oder weniger schief und unpassend klingende Leadgitarren mit mutmasslich psychedelischen Intentionen. Und ab und zu kräht ein Hahn, wortwörtlich.
Es kann sein, dass es Drogen gibt, die zusammen mit der Eintönigkeit, Belanglosigkeit, musikalischen Ideenfreiheit und diesem Hang zum Schrägen ganz wunderbare Trips hervorrufen. Sollte das so sein, braucht man von diesen auf jeden Fall eine ganze Menge, denn Herr Benighted hat sich nicht lumpen lassen und gleich zwei CDs mit jeweils über 60 Minuten Material vollgepackt. Und diesen kreativen Winterschlussverkauf - alles muss raus! - muss ich mir anhören. Mehrmals! Man hat's nicht einfach. Höhepunkt des Hörvergnügens ist "Just Do It", eine halbstündige "bluesige" Gitarrenjam ohne Struktur oder Ziel. Über 30 Minuten wartet man darauf, dass das Lied an sich endlich anfängt, aber es passiert einfach nicht. Geklimper, Gequietsche und Gegniedel, für 30 extrem lange Minuten! Nun ist es natürlich mutig, diese endlose Onaniersession mit der Sechssaitigen auf die Menschheit loszulassen. Manch einer mag das sogar als grosse Kunst empfinden, das weiss man ja nie. Ich jedoch habe keine Probleme, das Ganze schlicht als Scheisse zu bezeichnen. Grundgütiger! 30 Minuten Gejaule und Geheule! Da braucht man keine Drogen, um das Ganze zu geniessen - die braucht man schon, um diese "Komposition" nur zu überstehen.
Was genau mit Benighted passiert ist, darüber kann man nur spekulieren - Drug are bad, m'kay? - fest steht allerdings, dass wir es mit einem ganz anderen Projekt zu tun haben. Persönlich finde ich das eher traurig, denn in meinen Ohren ist das hier einer der dramatischsten Abstürze, die ich je erlebt habe. Ob man mit dieser Art "Musik" ein Label finden wird, halte ich für eher zweifelhaft, aber da kann ich mich natürlich täuschen: Für fast allen Unsinn findet sich heutzutage eine Plattenfirma, die in eben jenem Unsinn grosse Kunst oder zumindest etwas ganz Originelles sieht oder sehen will.

1 /10

Official Website

 

Erik
23.04.2010