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Vorsicht! Diese CD enthält Doom-Anteile, Violinenklänge, Klargesang, eine nicht näher benannte Zahl an akustischen Zwischenspielen sowie ein Shred-Solo und kann daher bei Hardcore-Pandabären zu spasmusartigen Wutanfällen in Kombination mit Schnappatmung und erregten "Voll untrue!"-Rufen führen. Ok, jetzt, wo ich es so lese, könnte man tatsächlich der Meinung verfallen, dass Inhuman Hate ihren Stil noch nicht so wirklich gefunden haben und einfach mal ein bisschen mit allem rumdoktern, was ihnen so über die Saiten läuft. Das Problem ist nur, dass sie all diese verschiedenen Stilausprägungen dann doch zu überzeugend miteinander verschmelzen und die Stücke keinen gepanschten Brei ergeben, sondern für sich absolut kohärent sind. Als schwarzer Faden führt vor allem eine tiefgreifende Melancholie durch "Twilight Of A Lost Soul" und eben jenen Faden nimmt schon der Einstiegstitel "1" auf - mit 15 Minuten Spielzeit ein Longtrack wie er im Buche steht. Vorbildlich auch die Art und Weise, wie das Lied mit simplem Akustikgeklimper langsam Atmosphäre aufbaut und sich daraufhin mit finster-schwelenden Doom-Klangwänden selbst in den dunklen Vortex katapultiert. Ganz nebenbei haben sich auch ein paar ordentliche Depressive-BM-Riffs in die Nummer gerettet und sorgen so dafür, dass der Spannungsbogen über die volle Distanz gehalten wird.
Mit unheilvollem Rauschen legt "2" los, und wer nach dem Auftakt die Sorge hatte, hier doch auf einer Doom-Platte herumzuirrlichtern, dem werden diese Zweifel flugs mit einem enorm wuchtigen Blastbeat aus dem Schädel gepustet. Der Akustikteil mitsamt abschließendem Solo schlägt da schon wieder in eine andere Kerbe - das ist zwar letztlich nichts Schlechtes, allerdings hätte man dem Lead neben dem schon vorhandenen Geshredde auch ruhig ein Quentchen mehr Leidenschaft einimpfen dürfen.
Das kann man dem folgenden Stück nun wahrlich nicht vorwerfen - was dessen Sinn sein soll, entzieht sich mir persönlich trotzdem. Fünfeinhalb Minuten schreit, heult und wimmert eine vermutlich nicht sonderlich endorphingeschwängerte Stimme über recht unspektakuläres Ambientgedöns hinweg. Schön, und weiter? Viel mehr als einen Geheimtipp für die Skiptaste gibt das in meinen Augen nicht ab.
Dranbleiben sollte man allerdings unbedingt bei "4", das zwar mit einem Klavierintro einleitet, welches verdächtig an Dark Fortress' "Vanitas... No Horizons" erinnert, zusammen mit den klagenden Violinen aber dennoch für mächtig Schwermut sorgt. Abwechslung gibt's diesmal auch beim Gesang: Das recht typische Gekrächze der Vorlieder muss Platz machen für einen Klargesang, der manchmal doch recht hart an der Grenze zur kitschigen Weinerlichkeit herumbalanciert. Gut, das ist Geschmackssache - was definitiv stimmt, ist jedoch die instrumentale Untermalung, welche später auf wehmütig-zerreissende Weise hallende Gitarrenakkorde und zerbrechliche Geigenklänge miteinander verbindet.
Nach so viel mehr als positiven Fingerzeigen fällt der Rausschmeisser zwar etwas im Niveau ab, schafft es aber nichtsdestotrotz, mit einem leicht rockigen Einschlag für finstere Momente zwischen den Kopfhörern zu sorgen. Grundlage dafür ist das kraftvolle Klanggewand, dem es sogar gelingt, in den passenden Momenten den Bass emporsteigen zu lassen, und das den schmalen Grat zwischen zu dreckiger und zu transparanter Produktion bravourös meistert. Wenn man "Twilight Of A Lost Soul" etwas vorwerfen mag, dann vielleicht, dass - gerade bei der Stimmarbeit - manchmal die letzte Verzweiflung zu schemenhaft und angedeutet bleibt. Für den depressiven BMler, der noch den letzten Schubs braucht, sind Inhuman Hate demnach vielleicht eher weniger geeignet. Wohl aber für alle, die die Melancholie auf musikalisch vielfältigem Wege erkunden wie ergründen möchten. |
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