|
"Faceless Phenomena" habe ich bei seiner Veröffentlichung im letzten Winter aus irgendwelchen Gründen (heisse Kandidaten: Faulheit und Gleichgültigkeit) schlicht verpasst. Ähnlich ging es wohl auch einigen anderen, denn ausser schwachen Verkaufszahlen fällt mir kein Grund ein, warum man mich jetzt noch mit einem Promoexemplar behelligen sollte. Schlecht für die Band, gut für mich: Ohne diesen ausserplanmässigen Ansporn hätte ich mich mit Whirling nicht mehr grossartig auseinandergesetzt.
Und so ein ziemlich gelungenes Album verpasst. Wenn das Label eine Mischung aus Ved Buens Ende, Code und Bergraven verspricht, liegt es damit überraschend richtig, wobei der Schwerpunkt klar auf dem englisch-norwegischen Projekt liegt. Im Vergleich klingen Whirling rockiger und entspannter, der vorherrschende Klargesang ist weniger theatralisch, hat einen Hang zum Lakonischen und erinnert so mitunter gar an die finnische Indieband Nazca (der am wenigsten hilfreiche Vergleich des Jahres?).
Was man Whirling natürlich vorwerfen kann und vielleicht sogar muss, ist mangelnde Originalität. Andererseits ist das auch wieder relativ: Was ist weniger einfallsreich - die zweite Truppe, die wie Code klingt, oder die 34567836. Burzum-Kopie? Von den hilf- und hoffnungslosen Versuchen dieser zahllosen Klone unterscheidet sich "Faceless Phenomena" ausserdem dadurch, dass es ziemlich beeindruckend ausgefallen ist. Da treffen vertrackt-verspielte Kompositionen und ein Hauch verschrobener Bergraven-Atmosphäre auf recht mächtige Melodien, während der Gesang immer wieder für Gänsehautmomente sorgt. Das Ganze ist spannend arrangiert, atmosphärisch dicht - schlicht und einfach ein absolut überzeugendes Album. Das nächste Lebenszeichen von Whirling werde ich bestimmt nicht so einfach verpassen. |
|