KÄLTETOD

Reue (LP/CD/MC 2010)


Der Winter naht - und schon bald droht wieder der gefühlte "Kältetod", in dessen Folge sich bei einem Großteil der Weltbevölkerung vermutlich die "Reue" einstellen wird, dass sie nicht im Sommer jeden Tag fünf Mal mit ihrer Spritschleuder sinnlos um den Block gefahren ist, damit dieser gottverdammte Klimawandel endlich mal in die Puschen kommt. Nun, dieser schlechte Witz soll natürlich mitnichten auf Kosten der im folgenden vorgestellten Platte gehen - wenn, dann höchstens zulasten der - sagen wir mal - dezent überzeichneten Liedtitel.
Rein klanglich macht "Reue" nämlich einen wesentlich bodenständigeren Eindruck, bestehend aus klassisch-rohem Schwarzmetall der Melancholie-Sparte. Melodische Riffs angereichert mit widerhallenden Rauscheakkorden ergeben eine atmosphärisch durchaus packende Komposition, der es jedoch leider vor allem in der zweiten Albumhälfte an markanten Höhepunkten fehlt. Da hallt dann gerne mal hier eine jammernd-jaulende Gitarre durch den Äther und macht gerne mal dort ein saitenstrapazierendes Rauscheriff das Klanggeschehen unsicher und bleibt dabei allerdings eine Nuance zu wirkungslos und austauschbar. Ungünstigerweise schwankt das Niveau auch durchaus mal innerhalb eines Liedes, weswegen sich gerade bei den letzten drei Stücken gelegentlich eine gewisse Spannungsarmut breitmacht.
So als ob die Band dem Hörer für den etwas durchwachsenen Schlussspurt musikalischen Proviant mitgeben will, hat sie mit "Nur vom Eiswind noch getragen" das wohl beste Lied an vierter Stelle aufgereiht. Positiv fällt vor allem auf, dass genanntes Stück so gut wie vollständig auf die "altehrwürdigen" Black-Metal-Ingredienzen Riffgeschrubbe und Blastbeat verzichtet und sich lieber auf sehr gefühlvolle Melodien aus den Saiten der Leadgitarre konzentriert. Nun versehe man das ganze noch mit ein paar stimmungsvollen Akkorden und fertig ist die Laube respektive das Glanzstück des Albums. Dennoch kommt man nicht umhin zu bemerken, dass die ganze Platte nach solidem, oberen Mittelfeld riecht - mit keinen totalen Ausreissern nach unten, aber halt auch nicht nach oben. Musikalisch gibt es an "Reue" nicht so wahnsinnig viel auszusetzen - was jedoch fehlt ist der letzte Funke an Leidenschaft und Emotionalität, der gerade im DSBM-Bereich eine "normale" Scheibe von einem wirklichen Highlight unterscheidet.
"Was ich vielleicht als störend empfinde, ist das etwas zu weit in den Hintergrund geratene Schlagzeug, welches zwar hörbar ist, jedoch vielleicht durch ein wenig "klareren" (oder lauteren) Sound die einzelnen Lieder oder einige Passagen davon noch emotionaler hervorgehoben hätte." Falls ihr euch wundert: Ja, die Anführungszeichen gehören dahin, denn der letzte Satz ist bereits geschlagene fünf Jahre alt, stammt aus der Rezension zum Vorgängeralbum "Leere" und ist ein Beweis für die - je nach dem - Beständigkeit beziehungsweise Starrsinnigkeit der Band. Ich persönlich tendiere ehrlich gesagt eher zu letzterem, denn der schwachbrüstige Schlagzeugsound geht für mich doch über das Niveau einer Lappalie hinaus. Wenigstens die Gitarren sind recht annehmbar abgemischt und bringen ihre Klangestaten gut zur Geltung, was denn auch dafür sorgt, dass beispielsweise das zwar einfache, aber mitreissende Hauptriff des Eingangstitels "Vor entflammten Erinnerungen" seine volle Wirkung entfalten kann.
"Mitreissend" und "volle Wirkung" wären nun indes auch genau die Attribute gewesen, die ich mir für den Rest des Albums in ausreichender Menge gewünscht hätte. Da dies aber offenkundlich nicht der Fall ist, bleibt es bei zwar ordentlichen, aber doch etwas ernüchternden sieben Punkten. Potenzial ist ja vorhanden, nur ausgeschöpft werden muss es bitte noch etwas anständiger.

7 /10

Official Website

Eternity Records

 

Nachtwall
08.11.2010


Redaktionsbewertung:
Nacht 7 Vandrar 8.5
Gesamtdurchschnitt: 7.8