MASSEMORD

The Madness Tongue Devouring Juices of Livid Hope (CD/LP 2010)


Eines der produktivsten BM-Kollektive dürften die Mannen hinter Furia und Massemord sein, die neben ihren bekanntesten Projekten noch viele weitere Eisen im Feuer haben und so alle paar Monate mit neuem Material auf der Matte stehen. Das erinnert an schlimmstes norwegisches Inzestverhalten aus den Neunzigern, funktioniert aber bisher recht gut. Nicht nur ist das Qualitätsniveau in der Regel ganz ordentlich, nein, es gibt immer wieder vielversprechende neue Versuche (zuletzt etwa Dusze Wypuscil), und zu allem Überfluss scheinen auch die Hauptbands immer besser zu werden und an Charakter zu gewinnen.
Aktuellstes Beispiel hierfür ist "The Madness Tongue Devouring Juices of Livid Hope", das neue Album von Massemord, das ganz anders klingt, dennoch irgendwo in die Diskographie der Band passt, ziemlich grossartig ausgefallen ist und die Polen (mal wieder) als kompromisslose Musiker präsentiert, die nur an ihrer künstlerischen Vision interessiert sind. Waren Massemord bisher für Raserei irgendwo zwischen Schweden und moderneren norwegischen Klängen bekannt, so schlägt man jetzt ein völlig neues Kapitel auf. "The Madness Tongue...", das ist eine einzige Komposition, 35 Minuten lang, fast komplett langsam gehalten. Auf ein fieses Grundriff bauend, kommt das Stück nur schleppend, dafür aber umso unaufhaltsamer voran. Geboten wird ein extrem sparsames Schlagzeug mit markantem Beckenspiel, psychedelische Spielereien, eine äusserst vielseitige Leadgitarre sowie giftiges Gekrächze. Für Dramatik sorgt einerseits ein etwas flotterer Abschnitt zur Halbzeit, viel wichtiger aber ist das mächtige Finale des Albums, das ganz ohne Tempoerhöhung mitreisst und begeistert.
Nach den letzten musikalischen Verlautbarungen aus dem Furia/Massemord-Lager zu urteilen, haben die Polen in letzter Zeit anderen Drogen den Vorzug vor Wodka gegeben. Beziehungsweise zusätzlich anderes Zeug konsumiert. War schon "Halny" psychedelisch gefärbt, so transportieren die Musiker diesen Ansatz mit "The Madness Tongue..." ins Massemord-Universum und treiben ihn auf die Spitze. Beeindruckend finde ich dabei vor allem, dass das Album bei aller Geistesumnebelung wohl der derbste Hassbrocken ist, den die Mannen bisher unters Volk gebracht haben, und das möchte ich in Bezug auf all ihre Projekte verstanden wissen. (Wieder mal) Ein Album, das man unbedingt gehört haben sollte.

9 /10

Official Website

Pagan Records

 

Erik
12.11.2010