THORNGOTH

Leere (CD 2010)


Zwei krachend-dissonante Akkorde, dass einem fast die Blutpumpe stehenbleibt, ein Blastbeat hinterhergeknüppelt und mit Vollgas nach vorne - so gefällt mir das! Warum kann eigentlich nicht jede Black-Metal-Platte so fulminant beginnen wie Thorngoth mit ihrem aktuellen Werk "Leere"? Dass die Bande bereits durchaus eine positive Entwicklung hinter sich hat, lässt sich ja an den Rezensionen älterer Langspieler recht gut nachvollziehen - umso erfreulicher, dass sich diese Entwicklung auf einem konstanten Niveau eingependelt hat, denn auch der 2010er Auswurf ist eine ziemlich amtliche Granate vor dem Herrn.
Die Durchschlagskraft der Schiessbude alleine spricht da schon wahre Bände - enorm durch die Lautsprecher drückend heizt das Schlagwerk höllisch präzise und wie eine Furie durch die acht "klassischen" Stücke. Klassisch deswegen, weil sich mit "In der Leere" auch ein kurzes Ambientzwischenspiel auf der Platte verewigt hat. Und das ist dem Hörgenuss durchaus dienlich, denn nachdem die vier vorhergehenden Titel einem regelrecht die Rübe runterblasen, kann man eine kurze Verschnaufpause definitiv gebrauchen. Grund dafür ist die schlicht atemberaubende Dynamik, mit der Thorngoth sich durch die Weltgeschichte prügeln - und zwar hin und wieder auch mit gedrosselter Geschwindigkeit. Gerade der Wechsel zwischen flammender Raserei und mal groovendem, mal melancholisch anmutendem Midtempo macht die Klasse von "Leere" aus, welche sich auch aus dem vorzüglichen Variantenreichtum erhebt. Wo "Leere IV" mit seinem unheimlich niederwalzenden Mittelteil für Aggression in ihrer reinsten Form steht, schlägt "Leere V" mit seinem gemäßigterem Tempo und den Gitarren im Stil einer klanglichen Knochensäge schon wesentlich nachdenklichere Töne an. Letzteres trifft darüber hinaus vor allem auf "Leere VI" zu, welches mit einem sehr stimmungsvollen Akustikteil die sonst übliche schwarze Gitarrenwalze unterbricht - da versteckt sich definitiv noch einiges an Potenzial für zukünftige Veröffentlichungen.
Generell hat man mit dem Sound der Sechssaiter eine sehr gute Wahl getroffen - auch wenn es für meinen Geschmack noch etwas rauer und dreckiger hätte zugehen dürfen. Aber dass wir uns nicht falsch verstehen: Bösartig und roh kommen die Riffs dennoch daher - und gerade die erhabenen, fast schon schwebend-majestätischen Gitarrenwände wie im Intro von "Leere II" profitieren von der relativ sauberen Abmischung. Und dass die Herrschaften ihre Hausaufgaben in Sachen Songwriting mehr als bravourös gemacht haben, beweist der stetige und immer gelungene Spagat zwischen Tremologeschredder, Death-Metal-artigen Riffs, rauschenden Akkordklangteppichen und geradezu aufschreienden Leadgitarren.
Ohne sich also im Zusammenbringen der verschiedenen Stoßrichtungen völlig zu verzetteln, ist es den fünf Bayern gelungen, ein Album mit den Kernelementen aus schwelender Aggression, rotzigem Groove und pechschwarzer Melancholie aufzunehmen, das es dabei nicht nur schafft, die Musikerfalle "Alles, aber nichts so richtig" großräumig zu umschiffen, sondern darüber hinaus alle diese Ingredienzen in mitreissender Weise zu vereinigen. Ein brodelndes Gebräu, das man sich als Freund des schnellen, wuchtigen Schwarzmetalls nicht entgehen lassen sollte!

9 /10

Official Website

Myspace

Folter Records

 

Nachtwall
03.01.2011


Redaktionsbewertung:
Erik 7 Nacht 9
Gesamtdurchschnitt: 8