EKPYROSIS

Ein ewiges Bild (CD 2010)


Sehr fleissig sind sie, die Zeitgeister, das hyperaktive Inzuchtkollektiv aus Bonn. Island und Valborg etwa haben gerade erst neue Aufnahmen veröffentlicht, die letzte Klabautamann liegt noch gar nicht so lange zurück, und Ende letzten Jahres ist auch noch eine neue Scheibe von Ekpyrosis erschienen.
Nun muss ich zugeben, dass ich diesem zweiten Werk des BM-Projektes mit sehr gemischten Gefühlen entgegen sah. "Mensch aus Gold" hatte für mich irgendwie den Charakter eines einmaligen Versuches. Nur ein Endlossong, eine sehr wohldefinierte (wenn auch schwer zu beschreibende) musikalische Nische - das lässt im Prinzip nur zwei Entwicklungsrichtungen zu: Wiederholung (was schnell langweilig wird, siehe etwa Darkspace) oder stilistische Neuorientierung, die mich dann mit einiger Wahrscheinlichkeit nicht mehr interessiert. Zudem war der Erstling so gelungen, dass es eigentlich nur bergab gehen konnte.
Glücklicherweise kann niemand eine Band dazu zwingen, sich an Erfahrungswerten bzw. Vorurteilen irgendwelcher Schreiberlinge zu orientieren, weshalb ich schon an dieser Stelle festhalten kann, dass "Ein ewiges Bild" ziemlich gut geworden ist. Stilistisch hat man sich etwas geöffnet, neben dem sehr markanten Joy-Divison-Einschlag, der beim Erstling beworben wurde, gibt's jetzt mehr relativ ordinären BM und ausserdem 'ne ordentliche Portion alten Death Metals. Wäre ich böswillig, würde ich das als Verdunkeln-Nachäffung verteufeln, tatsächlich ist es aber wohl eher so, dass sich bei den Zeitgeistern die verschiedenen Projekte gegenseitig beeinflussen. Doch ganz egal, wie oder warum, Fakt ist, dass diese DM-Kante zusammen mit einem aggressiven Brüllgesang für sehr fiese Akzente sorgt und einen interessanten Kontrast zum ansonsten eher auf Atmosphäre ausgerichteten Material schafft.
Eine weitere Neuerung stellt die Hinwendung zu richtigen Liedern dar, von denen es in 40 Minuten ganze neun zu hören gibt. Nicht nur deshalb ist es durchaus berechtigt, Ekpyrosis heuer als etwas "normaler" zu bezeichnen. Das kann man doof finden, doch erstens klingt das Projekt trotz neuer musikalischer Elemente nun keineswegs völlig beliebig, und zweitens war nach meinem Dafürhalten eine gewisse Kurskorrektur vonnöten, um nicht in einer kreativen Sackgasse stecken zu bleiben. Ausserdem - und das ist ja nicht ganz unwichtig - sind die Stücke ziemlich gelungen, egal ob nun neu gefundene, derbe DM-Brüll-Aggression, BM-Atmosphärisches oder Klargesang voller Pathos; Ekpyrosis können alles und bringen es auch nahtlos unter einen Hut. Ist dieser Form ist die Band zumindest nicht zum Eintagsfliegendasein verdammt, und das finde ich persönlich sehr schön.

8 /10

Zeitgeister Music

 

Erik
05.01.2011