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Heute habe ich einen weltoffenen Moment, eine gute Gelegenheit, mich endlich mal dem Projekt Sjelløs zuzuwenden, welches eine Mischung aus "Dark Ambient, Metal, Industrial und weiteren Elementen" verspricht und damit im Rahmen dieser Seiten durchaus etwas Toleranz verlangt.
Wie das so ist, wenn man nicht weiss, wo man anfangen soll, halte ich mich (mal wieder) an die werbende Selbsteinschätzung von Sjelløs; in erster Linie natürlich, um diese auseinanderzunehmen. Metal und Industrial soll es auf "Gestalt der Nacht" geben, bei mir ist davon aber nichts angekommen. Ob der Briefträger die gemopst hat? Oder wird bei Sjelløs die mittlerweile auch schon wieder überholte Praxis aufrechterhalten, Schreibfritzen mit einem fehlerhaften Produkt (Voiceover etc) zu beglücken? Oder entspringt diese Reklame etwa der Annahme, zwei oder drei verzerrte Gitarrenakkorde und ein bisschen elektronische Rhythmuserzeugung wären gleichbedeutend mit Metal und Industrial? In diesem Falle müsste ich sagen: sind sie nicht. Um das Mass voll zu machen, muss ich auch noch das Wörtchen 'Dark' vor 'Ambient' monieren. Sonderlich dark finde ich nämlich die ganze Angelegenheit nicht, allerbestens ein bisschen schummrig, immer mal wieder sanft melancholisch und mitunter gar poppig-eingängig ("Seelenlos Part II").
Hört sich das bisher Geschriebene ziemlich böswillig an, so muss ich doch festhalten, dass "Gestalt der Nacht" gar nicht sooooo übel ist. Zumindest dann nicht, wenn man bedenkt, was sonst so alles als Ambient unters Volk gebracht werden soll. Sjelløs' Mischung aus Klangcollagen, Keyboardgeklimper ("Tomhet" lässt grüssen) und ein paar Lagerfeuergitarren ist ordentlich gemacht, mir allerdings mehr als nur eine Spur zu harmlos. Ambient als im Prinzip mehr oder weniger amusikalisches Genre hat für mich eigentlich nur dann eine Daseinsberechtigung, wenn apokalyptische, alles verschlingende Soundlandschaften erschaffen werden. Das tun Sjelløs nicht. Und auch das Bisschen "richtige" Musik, das geboten wird, ist so wenig düster, dass ich mich fragen muss, wie man bei Sjelløs auf die Idee gekommen ist, "Gestalt der Nacht" einem (Black)-Metal-Publikum verkaufen zu wollen. Wirklich, Leute, nur weil Ihr auf diesen Seiten mal was gelesen habt, heisst das noch lange nicht, dass Eure Musik auch hierhin gehört. |
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