URGEWALT

Geisterhain (CD-R 2010)


Urgewalt sind mit ihrem ersten Versuch an dieser Stelle nicht sonderlich gut weggekommen, haben aber ein dickes Fell und wollen es jetzt wieder wissen. Dafür ist ein Pluspunkt drin, den ich aber für die Limitierungsalberei gleich wieder abziehen muss. Was soll das? Und wozu wollen die eine 50er Auflage überhaupt besprochen haben, die paar selbstgebrannten Scheiben reichen doch kaum für Freunde, Bekannte und Plattenfirmen.
So, nachdem ich das obligatorische Gemecker hinter mich gebracht habe, nun endlich zur Musik. Urgewalt spielen immer noch Ambient BM, was diesmal bedeutet, dass zwei von drei Stücken völlig ohne Gitarren auskommen müssen und auch das dritte Lied noch allerlei in Sachen Intros und Zwischenspiele zu bieten hat. Der Metalanteil beschränkt sich auf ungefähr zehn von 35 Minuten - das hört sich rein zahlenmässig nach wenig an und ist auch gefühlsmässig nicht die Welt. Beziehungsweise wird natürlich erst andersrum ein Schuh draus: Keyboardgewaber und -geklimper gibt es viel zuviel. Ambient her oder hin, hier wird zuviel Spielzeit mit zu wenig Substanz gefüllt. Positiv zu erwähnen ist immerhin, dass das Ambientzeug wirklich einigermassen düster daherkommt; das ist ja nicht unbedingt selbstverständlich, wie gerade erst Sjelløs gezeigt hat.
Was den BM-Teil betrifft, so klingt das Ganze diesmal zumindest rein produktionstechnisch etwas besser. Nicht überzeugen dagegen kann mich das Stück an sich. "Ein Schattenwesen..." besteht im Prinzip aus drei BM-Kompositionen bzw. -Fragmenten, die nichts miteinander zu tun haben, die aber im Bestreben nach Endlosstücken mit grosszügig bemessenen Intermezzi zu einer Pseudoeinheit zusammengepappt wurden. Mit richtigem Songwriting hat das nichts zu tun, und einen über die gesamte Spielzeit reichenden Spannungsbogen sucht man dann auch vergeblich, obwohl die Temposteigerung von Abschnitt zu Abschnitt wohl so etwas wie eine Struktur darstellen soll. Nein, das BM-Stück ist als nicht zu Ende gedachte Sammlung wenig grossartiger Ideen deutlich schlechter als die Ambientnummern, denn die sind wenigstens in sich zusammenhängend, wenn auch viel zu lang.
Die grosse Verbesserung im Hause Urgewalt ist also ausgeblieben; und wenn ich ganz ehrlich bin, kann ich noch nicht mal eine kleine ausfindig machen. So, liebe Urgewaltler, wird das nichts. Und Anfängerbonus gibt's diesmal auch nicht mehr.

3 /10

Official Website

 

Erik
12.01.2011