ODEM

Rape Your God And Pray For Reprieve (CD 2010)


Neben ein paar Ausnahmen, die mit Labelunterstützung den "Sprung in den Westen" schaffen, wird in Russland jede Menge BM fabriziert, der nur für den Binnenmarkt gedacht ist und sich oft auch entsprechend beschissen anhört. Folgerichtig hatte ich keine grossen Erwartungen, als die Post mich mit Odems Debüt beglückte. Russland? Das wird ja wieder was sein...
Erstaunlicherweise entsprechen Odem so ganz und gar nicht meinen Erwartungshaltungen. Hier wird energischer Black/Death geboten, von einer (fast) richtigen Band kompetent eingetrümmert und recht ansprechend produziert. Und hätte man als Drummer Angelo Sassos Vetter angegeben, wäre mir kaum aufgefallen, dass das Line-Up eine Lücke hat. Eine (rein äusserlich) also in jeder Hinsicht überzeugende Eigenproduktion, das hat gerade in Putins Reich durchaus Seltenheitswert. Sogar für eine ordentliche CD hat es gereicht, was nicht immer selbstverständlich ist: In letzter Zeit wurden mir einige Male "CDs" zu CD-Preisen verkauft, die sich dann als CD-R herausstellten.
Ist oberflächlich alles in Ordnung, so kann "Rape Your God And Pray For Reprieve" auch musikalisch durchaus überzeugen. Todesgerödel, schweres Midtempo, technische Abschnitte und semi-melodische BM-Raserei werden zu abwechslungsreichen Stücken verwoben, die glücklicherweise nicht an ihrer stilistischen Bandbreite scheitern. Persönlich kann ich mit den reinen DM-Passagen nicht soviel anfangen, muss den Mannen aber zugestehen, dass diese gut gemacht sind. Und entschädigt wird man als Scheuklappen-BMler immerhin durch ein paar wirklich grossartige schwarzmetallische Sturmangriffe mit ziemlich spannenden Gitarren, die Frost und Frickelei in sich vereinen.
Das einzige, was Odem jetzt noch brauchen, ist ein bisschen Öffentlichkeit, musikalisch ist man nämlich schon ziemlich gut dabei. Zum Abschluss des Album werden Antaeus gecovert, was zumindest ungefähr andeutet, wo Odem selbst ihre Zielgruppe sehen. Persönlich kann ich mir vorstellen, dass die Truppe auch Leuten zusagen könnte, die Belphegor nicht abgeneigt wären, den Haufen aber schlicht zu albern finden.

7 /10

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Erik
25.01.2011