DRAUMAR

Ein Wintermärchen (CD 2010)


Ambient BM ist heutzutage eine beliebte Variante, den Leuten vermeintlichen BM unterzujubeln, ohne grossartig Gitarren aufbieten zu müssen. Nun will ich nicht die gesamte Nische verdammen, denn es gibt da wirklich einige Perlen zu entdecken - zu diesen zählt Draumar aber beim besten Willen nicht. Nein, dieses Soloprojekt würde ich eher unter Etikettenschwindel (in der traurigen Tradition von Vinterriket) abheften wollen, denn mit BM hat "Ein Wintermärchen" wenig bis gar nichts zu tun: Gitarren gibt es nur sporadisch, sie spielen nicht mehr als eine unbedeutende Nebenrolle und wurden folgerichtig von einer Aushilfskraft eingeschrammelt, die in diesem Projekt kreativ nichts zu sagen hat.
Doch damit nicht genug: Nicht nur Metal glänzt durch Abwesenheit, auch auf Schwärze muss der Hörer weitgehend verzichten. Mit viel gutem Willen könnte man hier vielleicht - aber wirklich nur vielleicht - eine extrem weichgespülte und bis ins Unkenntliche aufgehellte Version von Summoning erkennen wollen, aber zu soviel gutem Willen fehlt mir momentan (und ganz ehrlich auch generell) schlicht die Lust. Keiner besonderen Anstrengungen dagegen bedarf es, "Ein Wintermärchen" als passende Klangkulisse für Disney-Animationen zu sehen. Und das meine ich noch nicht mal besonders bösartig sondern schlicht beschreibend: Draumar machen unglaublich harmlose Musik, die auch in ihren "düstersten" Momenten absolut kindertauglich ist.
Was natürlich nicht heissen soll, dass Draumar Musik für Kinder machen würden. Nein, dafür ist das Gebotene schlicht zu ereignislos. Für wen dieses seichte Keyboardgewaber und -geklimper mit seinen Alibigitarren letztendlich sein soll, ist mir schleierhaft. Noch nicht mal als Einschlafmusik taugt das Ganze, dazu ist es nämlich einfach zu ärgerlich. Als einzige Zielgruppe kommen mir die Myspace-Helden in den Sinn, die ähnlich belanglosen Kram fabrizieren. Aber ob deren Taschengeld reicht, alle ihre "Freunde" finanziell zu unterstützen? Die Konkurrenz ist zwar alles andere als hart, auf jeden Fall aber sehr zahlreich.

3 /10

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Karge Welten Kunstverlag

 

Erik
08.02.2011