AURVANDIL

Ferd (MC/CD 2010/11)


Werbung wie "evoking the lost glory of Enslaved's early days" und Titel der Marke "Through Hordanes Land" sind grosse Versprechungen - denen die Realität natürlich nicht gerecht werden kann. Nicht nur, dass das qualitativ ziemlich schwer sein dürfte, auch darüber hinaus ist das Ganze schlicht irreführend, denn Aurvandil klingt sehr nach Neuzeit; dank übereifrigem Stromtrommler gar nach dem neuzeitlichen Soloprojekt, um welches es sich tatsächlich handelt. Mit der Macht und Epik von etwa "Hordanes Land" hat das alles recht wenig zu tun.
Was natürlich nicht zwingend grottenschlecht sein muss, nur muss man die Vorbilder eben ganz woanders suchen. Ich persönlich würde das Projekt am ehesten in die Schar der PdH-Nacheiferer einordnen wollen, mit ein paar Melodien zwischen Folk und Mittelalter für einen Anflug von Charakter, und insgesamt deutlich eingängiger und harmloser als Wintherrs Schaffen. Die Produktion bemüht sich stilgerecht um schneestürmiges Rauschen, da gibt es keine Überraschungen zu vermelden. Erstaunlicher ist da schon, dass man sich nach dem melodisch durchaus interessanten und beinahe schon vielversprechenden Intro mit ziemlich gesichtslosem Gerödel begnügt. Der Gastschlagzeuger aus der Steckdose meint es so gut, dass die Gitarren kaum hinterher kommen und sich auf angestrengtes Sägen beschränken. Obendrauf gibt's dann ein paar Keyboards, die mir ein bisschen zu banal sind, um wirklich gefallen zu können. Hoffnung keimt erst nach sieben Minuten auf, wenn die Leadgitarre ins Rampenlicht drängt und das ermüdende Geprügel öffnet und mit kreativem Leben erfüllt. Leider sind sieben Minuten Wartezeit auf zwei Minuten ansprechende Musik ein eher nicht so schlagendes Kaufargument. Das selbstverständlich auch durch Wiederholung nicht an Überzeugungskraft gewinnt: "Through Hordanes Land" bietet wieder viel wirkungsloses Geklopfe, zu simples Getaste und erst viel zu spät etwas Hoffnung in Form eines emotionsgeladenen Sechssaiters.
Nein, nein, nein, so wird das nichts. Für ein paar nette Momente muss der Hörer auf "Ferd" viel zu viel blutleeres Geschraddel ertragen, um diese 42 Minuten Musik wirklich weiterempfehlen zu können. Erschwerend kommt hinzu, dass es in Aurvandils Nische Bands gibt, die Ähnliches viel besser hinkriegen. Als aktuelles Beipiel seien etwa Nu Is Alles Anders genannt, die neben einem komischen Namen auch grossartige atmosphärische Musik zu bieten haben.

5 /10

Official Website

Cold Void Emanations

Eisenwald Tonschmiede

 

Erik
15.02.2011