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Um ehrlich zu sein, halten sich meine Berührungspunkte mit klassischem Melodic Black Metal bislang doch sehr in Grenzen. Aber nachdem ich mich mit "Horizons Low" doch mal an dieses Subgenre herangewagt habe, tue ich mich auch aufrichtig schwer mir vorzustellen, wie Black Metal noch melodischer gehen soll und wie man dunkles Liedgut noch graziöser verpacken kann. Wenn man Draugnim so hört, könnte man tatsächlich meinen, dass am Ende der hauseigenen Riffproduktionsmaschine ein Kästchen mit Wattebauschsymbol steht, welches jedes Arrangement mit einer süßlichen Keyboardmelodie überzieht und sodann in die Freiheit entlässt.
Das funktioniert aber soweit auch ganz gut, schließlich gelingt es den drei Herren, ihre Kompositionen stimmungsvoll zu präsentieren und dem Synthesizer einige prächtige Klanggebilde zu entlocken, ohne dabei eine allzu triefende Kitschspur hinter sich herzuziehen. Meistens im gemächlichen Midtempo gehalten, zeigen sich die Stücke immer wieder von einer recht melancholischen Seite, die dank der Tasteneinlagen auch durchaus das Prädikat "episch" für sich beanspruchen kann. Das hat jedoch auch zur Folge, dass die Gitarren über weite Strecken der 50 Minuten Spielzeit ziemlich kampflos das Feld räumen und dem Keyboard den Vortritt lassen. Eindeutiges Indiz hierfür: Die Sechssaiter orientieren sich klanglich stark am Synthesizer und kommen in einer glatt geschliffenen Babypopo-Manier daher, der jegliche Rohheit abgeht.
Und damit wären wir auch schon bei einem Kernproblem derartig handzahmer Produktionen angelangt: Es mag ja alles ganz nett und harmonisch klingen, aber es haut einen einfach nicht um; ich habe jedenfalls mehr als einmal darauf gewartet, dass mir "Horizons Low" endlich mal eine ordentliche Ladung Dreck ins Gesicht schleudert und mich in den Staub zwingt. Aber nein - stattdessen treibt das Liedgut mehr oder weniger reibungslos und sich scheinbar selbst genügend in höheren Lüften vor sich hin. Ich weiß ja nicht, ob manche von Euch auf Ohralverkehr stehen, aber für den Fall könnte ich euch "Horizons Low" nur wärmstens ans Herz legen, denn was die finnischen Herrschaften hier bieten, flutscht dermassen wunderbar durchs Gehör, dass es schon fast als akustisches Gleitmittel durchgeht.
Schon klar, das klingt jetzt alles so furchtbar negativ ? wie kann denn da noch so eine Wertung zustande kommen? Nun, all das Gemecker meinerseits kann und sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass Draugnim gute Musik machen. Die Lieder machen einen durchdachten und vollständigen Eindruck; andächtige, berührende Momente wie beispielsweise der Gitarrenlead am Ende von "The Weeper's Way" sind auch vorhanden. Und wer die melodischeren Schlagseiten des Black Metals sowieso gut leiden kann, wird mit "Horizons Low" auch nicht viel falsch machen. Für mich persönlich jedoch ist das Material zu sehr in Watte gepackt ? aber vielleicht ist es ja doch nicht so ganz grundlos, dass ich bislang mit Melodic Black Metal wenig am Hut hatte. |
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