WITHERED

Shores Of Oblivion (Demo 2010)


Withered? Die Amis haben doch gerade erst was rausgebracht... Oder haben sich etwa die Isländer wieder aufgerafft? Ne, zu früh gefreut. Diese Withered kommen aus Berlin und haben sich anno 2009 entschieden, die dritte BM-Truppe unter diesem Namen zu sein. Grossartige Idee, Eigenständigkeit ist sowieso total überbewertet. Spielen tut man laut Eigenangabe "Black Metal/ Metal/ Progressive", und als wäre die Namensgebung nicht schon schlimm genug, wird es jetzt richtig irreführend.
Zwar ist das Ganze in irgendeinem Sinne des Wortes durchaus progressiv, aber mit den üblichen (oder zumindest meinen) Assoziationen bezüglich dieser Schublade hat "Shores Of Oblivion" eher wenig zu tun. Geboten wird nämlich Black Metal, den ich in erster Linie als atmosphärisch bezeichnen würde. Lange Stücke, akustisches Geklimper, (schrecklicher) Klargesang - das sind die Merkmale, die schon ungefähr andeuten, wo's lang geht. Ein paar schöne Rauschemelodien haben sich Withered einfallen lassen, die klassisch norwegische Epik heraufbeschwören. Dazu gibt es dünn seufzende Leads, für die heutzutage diverse Cascadia-Truppen bekannt sind. Die Leadgitarre spielt eine wichtige Rolle, und auch der Bass ist sehr aktiv, was wohl das Attribut "progressiv" rechtfertigt, aber das Hauptaugenmerk liegt in meinen Ohren eben auf Stimmungserzeugung. Abträglich ist dem neben ein paar uninteressanten und überflüssigen DM-Splittern vor allem die erstaunlich bescheidene "Produktion". Es ist geradezu verblüffend, dass eine Band, die sich mit ihrer Musik durchaus Mühe gibt, mit so einer hingeschlampten Aufnahme zufrieden ist. Mit derlei Brei tut man seinem Schaffen keinen Gefallen, und notwendig ist es heutzutage absolut nicht mehr.
Doch trotz dieser irritierenden Pfuscherei könnten Withered eine Zukunft haben. Ein anderer Name wäre nicht schlecht, die letzten DM-Reste könnte die Combo auch aus ihrer Musik verbannen, dann noch viel, viel, gaaaanz viel Gesangsunterricht für das momentan alles andere als goldene Kehlchen, und schliesslich eine angemessenere Produktion. Das könnte schon reichen, denn der Black Metal der Berliner hat durchaus Potential.

6 /10

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Erik
03.06.2011