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Kennern der griechischen Mythologie dürfte bei Cult Of Erinyes hoffentlich ein Licht aufgehen - und zwar ein unheilvolles, denn bekannt waren die drei Erinyen vor allem für ihre Rachsucht und den Zwist, den sie bisweilen gerne verbreiteten. Und wie passend: Die Vertonung der antiken Niedertracht sorgt nämlich auch für etwas Widerstreit in meinem Kritikergemüt. Und zwar geht das schon beim klanglichen Erscheinungsbild los: Das Schlagzeug hat noch ordentlich Dampf unterm Kessel und der Bass wummert nicht zu aufdringlich, aber doch vernehmbar im Hintergrund. In ebenjenem treiben sich für meinen Geschmack aber auch die Gitarren zu sehr herum, welche ein kleines Extra am Lautstärkeregler definitiv gebraucht hätten. Nicht, dass wir uns falsch verstehen: Bisweilen sägen die Saitenbretter auch mal in ansprechender Schwedenmanier, aber für wirklich düsteren Black Metal hätte es meiner Meinung nach erstens dominantere Gitarren und zweitens eine rauhere Produktion gebraucht. Dann hätte sich vielleicht auch ein weiteres Problem in Luft aufgelöst, das "A Place To Call My Unknown" gelegentlich plagt: Nämlich der Mangel an Dringlichkeit, welcher sich aber leider auch nicht vollends mit Unzulänglichkeiten im Soundgewand abtun lässt.
Man nehme nur den zweiten Titel "Insignificant" - und in dem Fall gilt leider "nomen est omen". Über sieben Minuten lang gelingt es der musizierenden Truppe zwar hin und wieder gute Momente zu entfalten, beispielsweise das ordentliche Intro. Letztendlich ist der Gesamteindruck des Liedes aber eben wahrlich "insignifikant" - was geboten wird, klingt nicht schlecht, doch beeindruckt es zu wenig, um auch emotional etwas beim Hörer auszulösen. Das mag auch daran liegen, dass das musikalische Ziel von Cult Of Erinyes im Unklaren bleibt und die Kompositionen wie hilflos auf der Suche nach Konsistenz umherirrend wirken.
Dabei könnte doch alles so einfach sein: Gerade die ersten Minuten von "Call No Truces" und "Island" machen klar, wohin die Reise hätte gehen können - da wird gekonnt Spannung aufgebaut, die sich sodann in einem Sturm fieser Gitarrenriffs in Begleitung von gemeingefährlichem Gekeife entfesselt. "Island" schafft es dabei den Bogen zu spannen und den Mittelpart mit einem atmosphärischen Akustikintermezzo zu füllen, bevor zum Finale erneut das Gaspedal durchgedrückt wird. Leider lässt sich das nicht von jedem Stück behaupten, denn was die Midtempoparts angeht, schwankt das Niveau deutlich. Von dem sehr guten "Black Eyelids" mit erneut sehr überzeugendem Akustikgezupfe und darauffolgendem Leadgitarreneinsatz bis hin zum in meinen Augen langweiligen und belanglosen Schlusspunkt "Last Light Fading" bedienen die Belgier die komplette Qualitätspalette. Und auch wenn sich kaum von der Hand weisen lässt, dass das Trio einen gewissen Hang zu epischen und schleppenden Songstrukturen besitzt, so müssen sie sich doch den Rat gefallen lassen, die Stücke in Zukunft bitte etwas präziser und auf den Punkt gebrachter zu gestalten. Doomige Abschnitte funktionieren nur dann, wenn sie auch vom einer entsprechend drückenden Klanggewalt getragen werden - und dass es genau daran auf "A Place To Call My Unknown" mangelt, sollte ja schon weiter oben klar geworden sein.
Letztendlich ist es gar nicht so leicht, die vorliegende Scheibe mit einem Punkteurteil zu versehen, denn für nahezu jeden positiven Aspekt fällt mir sogleich auch ein negativer ein. Mit Sicherheit lässt sich aber sagen, dass sich die Scheibe bei mir in Zukunft wohl eher selten die Ehre geben wird. Wofür ich sie jedoch in Erinnerung behalten werde, ist für ihre treibenden und aggressiven Momenten sowie für die paar tollen Klassikgitarreneinschübe. Alles andere auf "A Place To Call My Unknown" ist mir persönlich aber dann doch zu kraft- und saftlos, um es mit einer hohen Wertung zu adeln. |
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