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So schnell kann's gehen: Da schwärmt mir eine Freundin von Aaskereia vor und macht mich somit auf diese fast schon peinliche Bildungslücke meinerseits aufmerksam und siehe da: Eine knappe Woche später flattert schon der neueste Silberling mit dem Namen "Dort, wo das alte Böse ruht" in meinen Briefkasten. Und ich übertreibe kein bisschen, wenn ich behaupte, dass es äußerst selten vorkommt, dass das Rezensieren einer Platte derartiges Wohlgefallen bei mir auslöst. Denn um ehrlich zu sein: Für mich besteht die einzige realistische Möglichkeit dieses Meisterwerk noch vom Thron des Jahres 2011 zu stoßen, darin, eine Zeitreise zu unternehmen und die Aufnahmebänder vor der Veröffentlichung noch rechtzeitig durch den Schredder zu jagen.
Ok, Spaß beiseite, fangen wir lieber mal von vorne an: Müsste ich das vorliegende Album mit einem Satz beschreiben, dann wäre das wohl folgender: "Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile." Und das bedeutet verdammt viel, denn allein die bloße Summe der gebotenen einzelnen Instrumental- und Stimmleistungen würde vermutlich schon ausreichen, dass sich 85 Prozent der momentan umherpolternden Black-Metal-Kapellen vor Scham ihr Pandabärendasein abschminken müssten. Um nachvollziehen zu können, wovon ich schreibe, sollte man sich als geneigter Hörer am besten den vorletzten Titel "Der schwarze Wald" zu Gemüte führen. Es grenzt nämlich schon an perfide Genialität, wenn im Mittelteil das Klanggewand kurz einbricht, um mit rauschend-verzerrten Akkorden einen Tonteppich für die folgende Bassmelodie zu erschaffen, welche wiederum das Attribut "ergreifend" ohne jeden Zweifel verdient hat - was in meinen Augen für Black Metal eine ausgesprochen seltene Begebenheit ist. Das höchste Maß an klanglicher Schönheit erreicht das Stück jedoch erst, wenn auch noch Akustik-Gitarre, Schlagzeug sowie Stimme einsetzen. Apropos Stimme: Die mag mit ihrer bisweilen etwas kreischigen Tendenz sicherlich eine Frage des Geschmacks sein, der schiere Facettenreichtum sowie die leidenschaftliche Darbietung sollten allerdings auch den letzten Skeptiker überzeugen. Als besonders mitreißend entpuppt sich für meine Begriffe der Klargesang, welcher volltrunken von Melancholie bisweilen an eine Art klagenden Mönchsgesang erinnert.
Dass jedes Teil der Summe seinen angestammten Platz einnehmen kann, ist sicher auch der Güte der klanglichen Abmischung zu verdanken. Selbst die Akustikgitarre hat kaum Mühe, neben den strombetriebenen Sechssaitern zu bestehen - und alles andere wäre auch eine Schande. Denn eines der Merkmale, welches Aaskereia über alle Maße von anderen Bands unterscheidet und die Einzigartigkeit der Truppe ausmacht, ist der nahezu perfekte Einsatz von Akustikgezupfe beziehungsweise dessen Verquickung mit seinen verzerrten Klanggenossen. Sehr positiv fällt dabei zudem auf, dass die Einsatzmöglichkeiten der sanften Klänge ausgezeichnet variiert wurden. Sei es nun als melodietragendes Fundament in "Der boshafte Geist" oder als unterstützendes Element in "Pestritt zu Hel" - nie wirkt es unnötig oder aufgesetzt, was die Klampfe darzubieten hat.
Aaskereia überzeugen in der Tat weniger durch Quantität, als vielmehr durch Qualität. "Dort, wo das alte Böse ruht" versucht nicht, den Hörer mit einer Flut an Riffs plattzuwalzen, sondern besitzt den Mut, auch mal bei einem Riff und einer Melodie zu verweilen und diese dafür in träumerische Tiefen auszuarbeiten und auf den Hörer wirken zu lassen. Man merkt den Stücken ihre lange Entstehungszeit von fünf Jahren deutlich an - und zwar dahingehend, dass ihr Aufbau sorgsam und überlegt wirkt, ohne dabei jedoch die intuitive Leidenschaft vermissen zu lassen, die es braucht, um auf einem solchen Niveau musizieren zu können.
Das perfekte Exempel hierfür manifestiert sich im Abschlussstück "Als der Blick erlosch", das wohl ausgezeichnete Chancen hat, als Opus magnum in die Bandhistorie einzugehen - denn es ist schlichtweg ganz große Kunst, wie sich hier die epische Atmosphäre unaufhaltsam steigert und Aaskereia die Schraube in Sachen Ergriffenheit immer weiter anziehen, während einem im grandiosen Schlusssegment mit einer sanften Violinenmelodie und dem pulsierenden Drumming die in ihre reinste Form destillierte Melancholie in die Venen getrieben wird.
Das Zweitlingswerk der Karlsruher atmet seine Atmosphäre und beherrscht als Gesamtkunstwerk von aggressiv bis verträumt mühelos die Klaviatur der musikalischen Stimmungen. Letztendlich hat das künstlerische Vorgehen Aaskereias für mich definitiv Vorbildfunktion: Lieber sieben Jahre mit einer Neuveröffentlichung warten und dann auch bis ins letzte ausgefeiltes Liedgut abliefern, als einen Schnellschuss nach dem anderen raushauen und sich mit seiner eigenen Redundanz ständig selbst übertreffen. Man muss es insgesamt schon beinahe als Musik zum zwischen den Zeilen lesen betiteln, was sich in den knapp 54 Minuten von "Dort, wo das alte Böse ruht" abspielt, denn zwischen all den treibenden Riffs, den süßlich-bitteren Melodien und dem mitreißenden Gesang verbirgt sich das, wofür Aaskereia allerhöchstes Lob gebührt: Musikalische Reife gepaart mit blutfrischer Leidenschaft. |
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