THORNESBREED

273.15 Degrees Below Zero (MLP 2011)


Winter, Frost und Kälte sind im BM äusserst beliebte Themen. Da gibt es Frostbitten Kingdoms und frostige Dämonenstürme und was weiss ich nicht alles, und mit diesen Zitaten meiner Lieblingsfrostler wird die eisige Oberfläche nur ein wenig angekratzt. Um da noch aufzufallen, bedarf es einigen Einfallsreichtums. Thornesbreeds Idee besteht darin, das Kältepotential voll auszuschöpfen und gleich den absoluten Nullpunkt anzustreben: Mehr (bzw. weniger) geht nicht. Helfen tut das zwar eher weniger, wenn das Thermometer in Richtung 40 klettert und abartige Luftfeuchtigkeit herkömmliche Schweisskühlung vor ungewohnte Herausforderungen stellt. Aber es hört sich immerhin ziemlich gut an, und das ist doch das Wichtigste. Zum Kühlen gibt's schliesslich Klimaanlagen.
Thornesbreeds erstes Album liegt schon eine Weile zurück. Im Jahre 2003 hat man das letzte Mal offiziell von sich hören lassen, damals aber immerhin mit "Amongst These Grounds" ein Stück Musik auf die Welt losgelassen, das für Gliedsteife und Höschenfeuchte gesorgt hat (und immer noch sorgt). In diesem Sinne ist es sehr erfreulich, dass sich die Zwickauer wieder mal aufgerappelt haben und etwas Neues präsentieren, auch wenn es nur eine Mini ist. Und auch wenn das Ding nicht sonderlich neu ist, sondern schon vor über zwei Jahren zu Promozwecken die Runde machte. Offiziell wurde "273.15 Degrees Below Zero" jedoch erst vor ein paar Wochen unters Volk gebracht, weshalb ich die Scheibe an dieser Stelle kurz bewerben will.
Seit "The Splendour Of The Repellent" hat sich in der Heimat des Trabbis einiges getan. Etwas weniger vertrackt geht es heuer zu, man kommt mit weniger Riffs pro Song aus und lässt diesen mehr Luft zum Atmen. Ausserdem hat die Truppe sich deutlich gen BM bewegt, sowohl rifftechnisch als auch in Sachen Produktion, welche angenehm roh und kraftvoll aus den Lautsprechern poltert. Geblieben ist glücklicherweise die grossartige Leadgitarre, welche die rohe Urgewalt des Black/Death-Gerüpels konterpunktiert und dem Thornesbreed-Universum zusätzliche Dimensionen verleiht. Der von ohrgiastischen Leads geprägte Höhepunkt der Scheibe ist "273.15 Degrees Below Zero and the Final Reflection of Internal Putrefaction", welcher ganz in der Tradition von "Amongst These Grounds" für grösstes Wohlbefinden sorgt.
Leider ist "273.15 Degrees Below Zero" nach acht Jahren Wartezeit viel zu kurz. An der Qualität des Gebotenen ändert das natürlich nichts, aber mehr wäre schon irgendwie besser gewesen. Hoffentlich müssen wir auf das nächste Lebenszeichen nicht wieder so unverschämt lange warten.

9 /10

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Vama Marga Productions

 

Erik
15.07.2011