WALDGEFLÜSTER

Femundsmarka - Eine Reise in drei Kapiteln (CD 2011)


Schnelllebig sind die Zeiten: Zur Veröffentlichung ein paar dutzend Rezensionen (hauptsächlich online), mit ein bisschen Glück noch eine handvoll Interviews. Und nach ein paar Wochen Aufmerksamkeit dann zurück in die Vergessenheit. Ohne Werbekampagnen, ausgedehnte Touren oder geschickt ausgebeutete Trends werden Alben schneller vergessen, als sie aufgenommen wurden. Das ist für den Musiker ärgerlich, aber auch für den Konsumenten kein Grund zur Freude. Die Situation ist geradezu absurd: Obwohl Musik und Informationen immer leichter zugänglich sind, wird es angesichts der Veröffentlichungs- und Informationsflut immer aufwendiger, den Überblick zu behalten, sich wirklich zu informieren und seine Zeit mit guter Musik zu füllen.
Man nehme nur mal "Femundsmarka": Vor drei Monaten ist das zweite Album von Waldgeflüster erschienen. Hat die Scheibe mittlerweile alle potentiellen Gutfinder erreicht? Eher unwahrscheinlich. Wird das gute Stück irgendwann alle potentiellen Gutfinder erreichen? Noch unwahrscheinlicher. Kann man da was machen? Eher weniger. Aber immerhin kann ich tun, was in meinen Kräften steht (auch wenn das beileibe nicht viel ist) und meinen Tropfen zur Infoflut hinzufügen, indem ich "Femundsmarka" ein bisschen bewerbe.
Und "bewerben" ist genau das richtige Wort, denn ich habe nicht vor, Waldgeflüster grossartig zu kritisieren. Dazu besteht nämlich gar kein Grund, hat das Projekt mit seinem aktuellen Streich doch so ziemlich alles richtig gemacht. Darunter zu verstehen hat man in diesem Falle eine gesunde Mischung aus Alt und Neu, sprich das Bewahren und Verfeinern bekannter Charakterzüge und gleichzeitig behutsame Weiterentwicklung in eine Richtung, die zumindest ich persönlich als ziemlich zukunftsfähig bezeichnen würde. Was "Femundsmarka" sofort als Waldgeflüster ausweist, sind Winterherz' charismatischer Klargesang und die hochmelodisch aufsingenden Leadgitarren, die allerdings insgesamt eine weniger zentrale Rolle spielen als auf dem Debüt. Der kompositorische Ansatz dagegen hat sich durchaus geändert. Das zum kreativen Duo erweiterte Projekt präsentiert diesmal viel längere, weit ausholende Stücke, legt weniger Wert auf Eingängigkeit, gibt sich sperriger undverlangt dem Hörer mehr ab. Waldgeflüster loten auf ihrem Zweitling die Extreme ihres musikalischen Spektrums aus, das Material ist einerseits schwermütiger und emotionaler, andererseits aber auch härter, schroffer und abweisender.
Funktionieren tut das Ganze ausgezeichnet. "Femundsmarka" ist tiefgängiger als sein Vorgänger, vielfältiger und detailverliebter, ausserdem eigensinniger und selbstbewusster. Die letzten Monate haben darüber hinaus bewiesen, dass das Album so schnell nichts von seiner Klasse einbüsst. Bleibt nur zu hoffen, dass Waldgeflüster im Veröffentlichungsdschungel ihr Publikum finden.

9 /10

Official Website

Myspace

Black Blood Records

 

Erik
23.08.2011