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Der Hang zum Nacheifern klassischer Burzum-Werke hat in den letzten fünfzehn Jahren kaum nachgelassen. Zwar gibt es auf dem Gebiet viele Missverständnisse, denn Depri ist nicht automatisch Burzum, aber immer wieder stößt man auf Projekte, die tatsächlich stilistisch stark an Herrn Vikernes' Frühwerke erinnern. Der Großteil davon ist natürlich Rotz, manches auch ganz erträglich, wirklich geadelt wurde das Subsubgenre jedoch erst dadurch, dass auch Count G. neuerdings in der gleichen Richtung aktiv ist. Denn ganz ehrlich: Auch wenn das "neue" Material halbwegs gelungen ist, an alte Größe kann der gute Mann nicht anknüpfen, und kreative Impulse darf man von Burzum wohl auch nicht mehr erwarten. Das neueste Projekt, Stücke der ersten beiden Alben neu aufzunehmen, spricht in dieser Beziehung Bände.
Nein, Varg taugt in der durch und durch nostalgischen und bestenfalls begrenzt kreativen Burzum-BM-Schublade nur zum Ehrenvorsitzenden. Oder zum Alterspräsidenten. Musikschaffend tonangebend sind da eher - ja, wer eigentlich? Bis vor kurzem hätte ich darauf kaum zu antworten vermocht. Zu niedrig das Niveau, selbst die besten Versuche nicht unbedingt respekteinflößend, wenn auch mitunter recht akzeptabel. Wie gesagt: Bis vor kurzem. Dann ist mir TOBC über den Weg gelaufen, und seitdem sitze ich mit offenem Mund vor meiner Anlage.
"Heart of Darkness" heißt das Werk, das dafür verantwortlich ist, unglaublich treffend betitelt (wenn man denn die Namensverwandtschaft zum Werk eines anderen Polen verdrängen kann) und wahrscheinlich das beste Burzum-Album seit "Hvis Lyset Tar Oss". Jaja, ich weiß, stilprägend oder dergleichen ist das hier in keinster Weise. Alles schon mal dagewesen, keine Frage. Null Punkte in Sachen Innovation. Aber: So perfekt, so erschütternd intensiv wurde diese Nische seit Burzums Meisterwerk nie wieder interpretiert. Musikalisch verbindet die Scheibe die Epik von "HLTO" mit der Eingängigkeit von "Filosofem" und ist in diesem Sinne ein Blick in ein Paralleluniversum, in dem letztere Scheibe mit Pytten und Sorgfalt aufgenommen wurde. Doch wird dieser Vergleich, wenn er auch nicht unzutreffend ist, TOBC nicht gerecht. Das Projekt mag stilistisch nicht originell sein, um ein ideenloses Plagiat handelt es sich jedoch in keinem Fall. Vielmehr nimmt man den eng gesteckten musikalischen Rahmen und füllt ihn auf eine Art und Weise mit Leben, wie es zuvor nur dem Original gelungen ist. Ein alter Hut, ja, aber mit so viel Leidenschaft gemacht, dass einem die Spucke wegbleibt. Hier stimmt einfach alles: simple Riffs in hypnotischen Stücken, perfekt dosierte Keyboards, markerschütterndes (wenn auch dünn gesätes) Geschrei. Das Album ist einerseits so vertraut wie ein guter Bekannter, gleichzeitig aber auch neu und spannend, faszinierend neu.
"Heart of Darkness" kann man als irrelevantes Plagiat abtun, und rein sachlich hätte ich dem auch nichts entgegenzusetzen. Das wäre eine völlig legitime und sogar nachvollziehbare Sichtweise. Persönlich sehe ich das aber ganz anders: Wenn Musik so ergreifend ist, interessiert es mich nicht großartig, wie originell das Ganze stilistisch ausfällt. |
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