ABSU

Abzu (CD/LP 2011)


Mein Lieblingsalbum von Absu war immer "Barathrum: V.I.T.R.I.O.L.", "Tiphareth" war auch nicht übel, aber danach wurde es mir zuviel Thrash. Sicher, Absu konnte man jederzeit respektieren, Hingabe und Originalität der Truppe wird wohl niemand bezweifeln wollen. Aber persönlich angesprochen haben mich "Cythraul" oder "Tara" nicht mehr. Selbstverständlich habe ich dann auch vor zwei, drei Jahren das "Comeback" in Form von "Absu" ignoriert. Als ich kürzlich versuchsweise in das neueste Werk der Texaner reinhörte, war ich folgerichtig ziemlich erstaunt.
"Abzu" bringt nämlich das Kunststück fertig, einem Thrash-Skeptiker wie mir ein durchaus ziemlich thrashiges BM-Album schmackhaft zu machen. Und das hat nicht unbedingt etwas mit Alterssenilität zu tun, schließlich finde ich etwa die neue Desaster langweilig und belanglos. Nein, wenn Absu anno 2011 losthrashen, dann hat das nichts von einem Nostalgietrip älterer Herren. Stattdessen verspüre ich explosive Energie, absolute Kompromisslosigkeit und ungezügelte Leidenschaft. Mit dem üblichen "wir lockern unseren langweiligen BM durch noch langweiligere Thrash-Riffs auf" haben Absu nichts am Hut. Klar, das hatten sie nie. Aber "Abzu" klingt im Vergleich zu "Cythraul" oder "Tara" wieder schwarz genug, um auch mich anzusprechen. Die Mannen um Proscriptor spielen Metal, der Black und Thrash tatsächlich miteinander verschmilzt, anstatt Riffs aneinanderzureihen, die nicht zueinander passen. Das hier ist beseelte Musik, die zumindest mich Genregrenzen vergessen lässt. Soviel Hingabe, soviel Kreativität, dabei meisterhaft arrangiert und absolut auf den Punkt gespielt.
Ich habe in den letzten Wochen und Monaten oft gelesen, das "Abzu" viel zu kurz sei. Sicher ist es richtig, dass man bei 35 Minuten Spielzeit von keinem besonders langen Album reden kann. Aber, ABER: "Abzu" hat ungefähr 0% Körperfett. Die Scheibe repräsentiert die auf ihre Essenz komprimierte Macht von Absu. Hemmungslose Raserei, Melodien, die wie Blitze aufzucken (und auch so einschlagen), treffsichere Soli - wir haben es hier nicht mit einem kurzen Album zu tun sondern mit 35 Minuten Musik, zu der der Rest der Welt schlicht nicht fähig ist.

8 /10

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Candlelight Records

 

Erik
08.02.2012